Montag, 11. Juli 2016

Ältere Menschen denken langsamer, weil sie so viel mehr Wissen gespeichert haben

Neue Untersuchungen zeigen: Das Gehirn von älteren Leuten wird mit zunehmenden Jahren nicht schwächer, sondern voller. Darum brauchen ältere Menschen oft mehr Zeit, um die Informationen zu verarbeiten, bzw. abzuwägen, so die Wissenschaftler.

Ältere Personen (mit Ausnahme von jenen mit einer Demenzerkrankung) lassen beim Denkvermögen nicht nach, im Gegenteil. Wie eine Studie der Universität Tübingen nun zeigt, funktionieren Gehirne im Alter meist sogar besser, aber etwas langsamer. Ähnlich wie Computer mit einer vollen Festplatten brauchen sie mehr Zeit, um die Daten zu verarbeiten. Diese Forschungsergebnisse publizierten die deutschen Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Topics in Cognitive Science".

Computersimulation des menschlichen Gehirns
Hintergrund: Für diese Forschung wurde eine Computersimulation durchgeführt. Wenn wenige Daten eingespeist wurden, verhielt sich das simulierte Hirn wie bei einem jungen Menschen; bei einer großen Datenmenge, vergleichbar mit den Erfahrungen eines Menschenlebens, war es wie bei einem älteren Menschen. "Wenn Sie ein Bücherregal mit 200 Büchern durchsuchen oder eines mit 20 Büchern – bei welchem finden Sie Ihre Informationen schneller?", sagte der Studienleiter Michael Ramscar. So würden Erwachsene langsamer und vergesslicher erscheinen als Jugendliche, dafür hätten sie mehr Material für Entscheidungen etc. zur Verfügung.

Die derzeitigen Tests sind aber immer noch für junge Menschen entwickelt worden
Außerdem seien viele kognitive Tests auf junge Leute ausgerichtet. So haben alte Leute große Mühe, nichtssagende Wortpaare wie "Krawatte" und "Keks" auswendig zu lernen – weil es einfach ihrer Erfahrung widerspricht, dass die zwei zusammengehören sollen. Darum hätten sie auch eher Mühe, sich ungewöhnliche Vornamen zu merken.
Quelle: Universität Tübingen / Fachzeitschrift: Topics in Cognitive Science
Link: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/tops.12078/full
Bildquelle: Fotolia, bearbeitet