Samstag, 9. April 2016

Wie wirkt sich die Spiritualität des Menschen auf seine Psyche und auf seinen Körper aus?

Gibt es im Menschen ein grundlegendes Bedürfnis nach Spiritualität? Kann Glaube und Spiritualität heilend wirken?

Ist Religion bzw. Spiritualität nachweisbar gesund?
Religion, Glaube, Spiritualität sind gut für unsere Gesundheit!
Es gibt Forscher und inzwischen auch viele Studien, die das belegen. Die meisten dieser Studien kommen aus Nordamerika. Fragen nach dem Glauben und nach der richtigen Lebensführung werden in den USA ziemlich ernst genommen. Aus den USA kommt auch der Forscher, der das Gebiet an vorderer Front vorantreibt. Der Psychiater Harold Koenig, er ist Professor an der Duke University in Durham, North Carolina (Link) und leitet dort das "Center for the Study of Religion/Spirituality and Health". Die Duke University ist eine angesehene Privatuniversität. Koenig sammelt Studien über Religion und Gesundheit und wertet sie in Metastudien aus. Dabei kommt regelmäßig heraus, dass der Glaube eine Art Wundermedizin ist.

Für die letzte Metastudie (Link) haben seine Mitarbeiter mehr als 1200 Artikel gesammelt, die in
wissenschaftlichen Magazinen seit dem Jahr 1872 erschienen waren. Hintergrund: Ob Gottesglaube gesund ist, fragen sich Wissenschaftler schon eine ganze Weile. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist dieses Forschungsgebiet aber geradezu explodiert, so Dr. Koenig. In etwa 80 Prozent der Studien ging es um den Nutzen von Religion und Spiritualität für die Psyche. Koenig macht zwischen den gängigen Religionen und anderen Formen des Glaubens keinen großen Unterschied, es geht ihm nicht darum, ob der Katholizismus mehr bringt als ein anderer Glauben. Für ihm ist wichtiger, dass Gläubige Süchte und Angststörungen leichter überwinden als Atheisten. ...

Wie gehen spirituelle Menschen mit Missgeschicken um? Wie hoffnungsvoll oder optimistisch fühlen sie sich? Wie steht es um ihr Selbstwertgefühl? 
Gläubige schnitten in all diesen Fragen in der großen Mehrzahl der Studien besser ab. Auch bei schweren psychischen Krankheiten hilft es, auf höhere Mächte zu vertrauen, so die Auswertungsergebnisse. Der Glaube kann demnach Depressionen lindern (von 444 Studien, die Koenig zu dieser Frage fand, belegten das fast 70 Prozent) und gegen Angststörungen helfen.

Vor allem aber überwinden gläubige Menschen Suchterkrankungen aller Art besser.
Mit Gott kommen Menschen leichter vom Alkohol oder Drogen los. Koenig fand auch Vorteile für den Körper. Gläubige haben einen niedrigeren Blutdruck, ein besseres Immunsystem, gesündere Herzen – und sie leben länger. Das hätten schon ganze 82 Studien belegt.

Auch Dr. Samuel Weber forscht am Fachbereich für Psychiatrie an der Ohio State University (Link). Auch er hat sich Studien zu der Frage, ob der Glaube die Gesundheit beeinflusst, angesehen. Er verweist auf die Studien, in denen herauskam, dass religiöse Menschen oft eine stabilere Psyche haben. Sie bewältigen posttraumatischen Stress und Ängste besser. Er ist der Meinung: "Wie gut Spiritualität und Glauben wirken, kommt wie bei allem was wir machen, auf die richtige Dosis an".

Besonders tiefe Meditation wirkt nachweisbar sehr entspannend
Meditation entstresst und hat heilende Wirkung
Bild: Fotolia
Viele spirituelle Praktiken enthalten Meditationsübungen. Meditationstechniken beruhigen den Menschen nachweisbar. Puls und Muskelspannung sinken. Neurobiologen haben gezeigt, dass sich bei Menschen, die regelmäßig meditieren, die Abläufe im Gehirn positiv verändern. Die Psychologin und Hirnforscherin Tania Singer untersucht derzeit (2015) in einem großen Forschungsprojekt am Max-Planck-Institut in Leipzig, ob Meditation auch die Fähigkeit des Menschen zum Mitgefühl stärken kann.

Eine kanadische Studie sorgte vor kurzer Zeit für Aufsehen.
Forscher haben dabei herausgefunden, dass Meditation und Achtsamkeitsübungen die Körperzellen schützen können. Bei Brustkrebspatientinnen, die auf diese Weise drei Monate lang meditierten, verkürzten sich die Telomere nicht mehr (Telomere sind Zellbestandteile, die die Enden der Erbmasse -DNA- schützen). das kann man auch als Anti Aging Effekt der tiefen Mediationstechniken bezeichnen. Bleibt die Telomerlänge stabil (wird sie nicht schnell verkürzt) altert man weitaus langsamer als normal üblich. Zudem ist auch bekannt, dass Stress das Immunsystem schwächt und dadurch das Risiko für Erkrankungen erhöht. Wer Stress durch gezielte Meditation reduziert, verbessert seine Gesundheit.

In uns ist Spiritualität und magisches Denken tief verwurzelt
Wie tief das magische Denken in uns wurzelt ist, entdeckte Dr. Bruce Hood, Psychologe an der Universität von Bristol, während er ein denkbar einfaches und harmlosen Experiments durchführte. Die Teilnehmer sollten für das Experiment Dinge mitbringen, an denen ihr Herz hängt: Z.B. den Hochzeitsring, das Plüschmaskottchen aus Kindertagen. Dr. Hood fotografierte jedes Objekt. Und dann bat er die Eigentümer, diese Fotos zu zerschneiden.

Zum Erstaunen des Forschers ging das einigen zu weit. Sie weigerten sich und brachen den Versuch ab. 

Biofeedbackmessungen offenbaren das Verborgene:
Diejenigen die sich nicht gleich weigerten griffen folgsam zur Schere, aber sie kamen dabei buchstäblich ins Schwitzen. "Die Leitfähigkeit ihrer Haut, gemessen an der Fußsohle, stieg deutlich an", erzählt Hood, "ein sicheres Anzeichen für Nervosität; Stress oder Angst."

Das Problem war nicht einmal der Akt des Zerstörens an sich. Tapfer zerschnitten die Teilnehmer die Fotografien ihrer mitgebrachten Gegenstände. Einzig der Anblick des "Seelendings" löste offenbar schon die magische Hemmung aus.
Fürchten die Leute sich davor, einem Foto weh zu tun? Nein! Tatsächlich beschlich sie das bange Gefühl, sie würden mit der Schere ihren geliebten Gegenstand geistig verletzen.

Solche Befunde treten nicht etwa nur bei leichtgläubigen Kandidaten zutage. Nein, Skeptikern und auch Atheisten ergeht es nicht besser. Das kann Dr. Eugene Subbotsky belegen, einem Psychologe an der Lancaster University. Er hat jahrelang erforscht, wie gründlich sich die Leute von Zaubersprüchen und Ritualen einschüchtern lassen. "Niemand von uns ist wohl ganz frei vom Glauben ans Übernatürliche", sagt Subbotsky. Für ihn ist die Frage nur, wie tief dieser Glaube vergraben ist. Und wie gut die psychologische Abwehr steht.

Subbotsky Forschungen lassen ihn vermutet, dass der Unglaube nur so lange leichtfällt, wie er "nichts kostet". Seine These: Erhöht man den Preis, dürfte auch mancher Skeptiker bald fromm werden. Um das weiter zu prüfen hat der Forscher Zaubergerätschaften gebaut, darunter eine wundertätige Holzkiste. Darin kann er (dank eines doppelten Bodens) Dinge wie aus dem Nichts erscheinen lassen, während er allerhand Beschwörungsformeln dazu spricht. In einem Experiment mit Studenten präsentierte der Psychologe eine Plastikkarte, bevor er sie in die Kiste steckte. Dann murmelte er einen seiner bewährten Flüche. Als er die Kiste wieder öffnete, war die Karte übel zugerichtet.

Gestandene Akademiker wissen natürlich: alles getrickst. Aber als sie dann ihre Hand in der Kiste stecken sollten, wurde ihnen mulmig zumute. Jeder zweite Proband bat den Forscher, den Fluch nicht zu wiederholen. Typische Begründung: Man wisse ja nie.

Selbst die überzeugtesten Gottlosen fangen an zu schwitzen, wenn sie ihre Unerschrockenheit beweisen müssen. Das hat kürzlich die Psychologin Marjaana Lindeman in Helsinki herausgefunden. Sie versammelte eine kleine Schar erklärter Atheisten in ihrem Labor zu einer Mutprobe. Die Teilnehmer sollten den Gott, der für sie nicht existiert, mit lästerlichen Provokationen herausfordern: Er möge alle meine Freunde gegen mich aufbringen! Er möge mein Haus anzünden! Meine Eltern ertränken!

Wieder offenbaren Messgeräte was wirklich in uns abläuft. 
Messgeräte, zeigen das Verborgene
Lindeman war erstaunt, wie deutlich die Messgeräte ausschlugen: Die harten Skeptiker gerieten ebenso stark unter Angst und Stress wie die Gläubigen, die zum Vergleich angetreten waren - und es war die Anrufung Gottes, die ihnen besonders zusetzte. Profane Verwünschungen ("Meine Eltern mögen ertrinken!") erregten sie deutlich weniger. Also selbst die "Aktivisten des Rationalen" sind anscheinend nicht frei von der Furcht vor höheren Mächten, oder vor Gott. In jedem von uns steckt der Glaube an eine höhere Macht, er ist scheinbar fest verdrahtet in unseren Gehirnen, und diese Verdrahtung kann nicht einfach außer Kraft gesetzt werden. 

Doch alles in allem ist es egal an welchen Gott man glaubt, wie man sich Gott, das höhere Wesen vorstellt. Wirksam ist der Glaube allemal und sogar messbar.

Wie schaut unser Glaube heute aus? 
An einen persönlichen Gott glauben nur noch 22 Prozent der Europäer. Die überwiegende Mehrheit von 34 Prozent sind diejenigen, mit dem Glauben an ein höheres Wesen. Man spricht wahlweise auch von einer intelligenten kosmischer Energie, einer geistigen Dimension oder schlichtweg dem Gefühl der Verbundenheit mit allem. Da gibt es keine Trennung von Raum und Zeit. Menschen und Dinge, aber auch Menschen und Menschen sind auf höherer geistigen Ebene (mystisch) über beliebige Distanzen miteinander verbunden. Doch gerade diese moderne Gottesvorstellung eines alles durchdringenden höheren Bewusstsein, eines universellen, intelligenten, liebevollen ewigen Energiefeldes ist die Vorstellung die am stärksten einen positiv Einfluss auf die Menschen ausübt. Messungen zeigen, dass diese Vorstellung, dieser Glauben, nicht nur beruhigend sondern auch heilend wirken kann.
kann sich also nicht einmal mehr zum Kernsatz ihrer eigenen Konfession durchringen.

So zeigt sich auch, wenigstens für das christlich geprägte Europa ein neues Bild. Mit dem spirituellen, religiösen Erleben der Menschen haben die Alt-Religionen mit ihren Kirchen immer weniger zu tun. 
Quellen: Div Studien und Forschungsarbeiten (siehe Links oben im Text), und Messungen der IPN-Forschung.