Sonntag, 11. Oktober 2015

Warum hören Mütter im Schlaf das Schreien ihrer Babies?

Das wollten schon viele genauer wissen!
Bereits seit langem weiß man, dass wache Menschen Geräusche in den Hörarealen ihres Großhirns analysieren. 
Dazu gehören das Brodmannsche Areal und benachbarte Gebiete auf dem linken Schläfenlappen. Nachts wird bei Geräuschen außerdem noch ein weiteres Areal im Stirnlappen des Gehirns aktiv, hat Serena J. Gondek, eine Studentin der amerikanischen John Hopkins Universität, entdeckt. Sie stellte ihre Entdeckung auf einem Treffen der American Academy of Neurology vor.

Von dem Areal im Stirnlappen (Frontalhirn) weiß man, dass es zum Aufmerksamkeits-System des Gehirns gehört. Es wird aktiv, wenn neue Eindrücke aus der Umwelt verarbeitet werden oder die Person sich innerlich auf eine Handlung vorbereitet. Der Stirnlappen ist einer der entscheidenden Teile des Gehirns, er wacht auch darüber, ob jemand von einem nächtlichen Geräusch erwacht oder ruhig weiter schläft. So kann etwa der Schrei eines Kindes eine Mutter sofort wecken, während sie bei Straßenlärm ruhig weiter schläft. ... 

Hintergrund der Entdeckung: Für ihre Untersuchung gewann Gondek die Kooperation von fünf Patienten, die sich wegen einer Epilepsie einer Gehirnoperation unterziehen mussten. Um im Gehirn der Patienten den Ausgangspunkt der Epilepsie genau lokalisieren zu können, legten die Ärzte in einem Eingriff auf die Hirnoberfläche der Betroffenen ein Netz aus Elektroden. Mit Hilfe der dabei verwendeten Elektroden-Netze kann auch die Arbeitsteilung der Hirnareale eines Menschen im Detail beobachtet werden. Gondek bat daher die Patienten darum, bei ihnen mit den implantierten Elektroden die Wahrnehmung von Geräuschen untersuchen zu dürfen. Für die Studie setzte die Studentin den Patienten Ohrhörer auf, mit denen sie den Versuchspersonen Töne vorspielen konnte. Die Hörer unterdrückten außerdem störende Geräusche, die aus der Umgebung an die Ohren der Patienten drangen. "Wir fanden bei den Versuchen, dass in Wachphasen lediglich Areale um die primäre Hörrinde herum aktiv wurden", erklärt Gondek. "Während eines leichten oder tiefen Schlafes wurde jedoch nicht nur die primäre Hörrinde aktiv, sondern auch der Stirnlappen."
Quellen: John Hopkins Universität und American Academy of Neurology