Dienstag, 24. November 2015

Angst macht wütend und aggressiv

Neurowissenschaftler erklären die Gewalttätigkeit von Menschen als Reaktion auf Bedrohungen durch die Außenwelt.
Aggression und Gewalt sind ebenso wie Angst und Flucht, Reaktionen auf Bedrohungen durch die Außenwelt. Jede Verletzung oder Demütigung hinterlässt in uns (unserem Ego und / oder im Unterbewusstsein) ihre Spuren, besonders dann, wenn sie unsere zwischenmenschlichen Beziehungen oder sogar direkt unsere Existenz bedroht. Und wenn dann irgendwann eine Schmerzgrenze überschritten wird, reagieren viele Menschen mit Aggression gegen Sachen, Mitmenschen oder manchmal auch gegen sich selbst. Dabei richtet sich diese Reaktion keineswegs immer gegen die Ursache des Schmerzes, sondern kann zeitversetzt Unbeteiligte treffen und eine Spirale der Gewalt in Gang setzen. So kommt es immer wieder zu Szenen unerklärlicher Brutalität.

Wir befinden uns heute -nach der Meinung einiger Forscher- in einem beginnenden Zeitalter der Gewalt, mit immer mehr zunehmenden Aggressionsausbrüchen. In vielen Bereichen ist die Schmerzgrenze schon weit überschritten, was zu einer Entwicklung von Gewalt führt. Dazu muss man auch wissen: Angst und Aggression benützen im Gehirn sehr ähnliche Strukturen bzw. Gehirnmodule. Es muss nur ein größerer oder mitunter nur noch kleiner Auslöser von außen kommen, und die aus dem mentalen Gleichgewicht gebrachte Personen würde, mit Angst oder Aggression reagieren. Der Mensch reagiert also nur aggressiv, wenn es einen Auslöser gibt, in den meisten Fällen ist das eine körperliche Attacke oder Hinweise die zu extremer Existenzangst führen.

Hinweis: Die amerikanische Neuropsychologin Dr. Naomi Eisenberger fand auch heraus, dass das Gehirnbewusstein unser Ego soziale Ausgrenzung, Demütigung, Herabwürdigung oder Armut genauso empfindet, wie eine direkte körperliche Bedrohung und darauf auch mit Aggression antwortet. Psychologen wissen schon lange, dass Kränkung in vielen Fällen aggressiv macht. Das wurde nun auch durch Untersuchungen von Dr. Eisenberger auch neurobiologisch bestätigt.

Demütigung, Ausgrenzung, und ...
Im Falle von Ausgrenzung, Demütigung, Herabwürdigung oder Armut werden Teile des gehirneigenen, neuronalen Schmerzsystems aktiviert, das eigentlich für die Wahrnehmung körperlicher Schmerzen zuständig ist. Das ist der Grund, warum wir nicht nur bei physischem Schmerz mit Aggression reagieren, sondern auch dann, wenn man uns sozial zurückweist. Dass nicht alle Menschen die in Armut leben müssen, die ausgegrenzt und herabgewürdigt werden, gleich aggressiv reagieren ist natürlich ganz offensichtlich. Um mit Aggressivität zu regieren, müssen z.B. Dauerstress, dauernde Ängste oder lange Zeiten der Belastung voran gegangen sein. Besonders gefährlich wird es dann, wenn Wohlstand und Armut aufeinandertreffen (z.B. bei den in der EU ankommenden Flüchtlingen). Denn dann fühlen sich die Ärmeren natürlich ausgegrenzt.  Extreme Armut im Angesicht von großem Wohlstand wird als Ausgrenzung und Ungerechtigkeit erlebt und mit Aggression beantwortet.

Eine der größten Gefahren in unserer Gesellschaft ist das immer mehr auseinander triftende Gefälle zwischen arm, wohlhabend und reich. Man muss nur bedenken; dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden.

Die Armutsstudie von Oxfam belegt: Das reichste Prozent (=1%) besitzt mehr als alle anderen zusammen. Demnach besaß das reichste Prozent in der Welt 2009 bereits 44 Prozent des weltweiten Wohlstands. Im vergangenen Jahr war der Anteil schon auf 48 Prozent angewachsen und 2016 wird das eine Prozent der Superreichen laut Oxfam mehr als 50 Prozent des weltweiten Wohlstands besitzen. In der Gruppe der Reichsten habe jeder Erwachsene statistisch gesehen somit ein Vermögen von 2,3 Millionen Euro. Noch extremer und besser sichtbarer ist der Unterschied zwischen den meisten ankommenden Flüchtlingen und den eingesessenen Bürgern.

Allein stehende Kinder - hier müssen wir jetzt schon tätig werden
Ein weiterer Grund für scheinbar unnötige Aggression kann auch in der Kindheit liegen. Auch hier kann ein Kind Ausgrenzung erfahren, indem es keine Bindungsperson hat. Seien es nun die Eltern, Geschwister oder Verwandten, irgendjemand sollte dem Kind das Gefühl geben, dass es jemandem viel bedeutet, und man es unterstützt. Hier entsteht wieder im Zuge der Flüchtlingskrise neues Leid und damit verbundenes zukünftiges Aggressionspotenzial, denn Kinder, die keine tragfähigen Beziehungen zu ihren Eltern haben, leben im Zustand der permanenten Ausgrenzung. Immer mehr unbegleitete Kinder beantragen Asyl in Österreich! Eine solche Situation ist ein Risikofaktor für spätere aggressive Verhaltensstörungen.

Darüber sollten wir heute auch nachdenken und entsprechend, realistisch und überlegt handeln. 

Quellen: Dr. Naomi Eisenberger,IPN-Forschung, u.a.
Bildquellen: Fotolia (Symbolbilder), u.a.