Montag, 13. Juni 2016

Teufelskreis aus Arbeitsdruck, Stress, verminderter Leistungsfähigkeit und Burn-out

Experten erklären: Sozialer Stress führt bei Menschen zu starkem Leistungsabfall. Immer mehr Neurologen warnen deshalb vor einem Teufelskreis aus Arbeitsdruck, verminderter Leistungsfähigkeit und Burnout.
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Die Deadline vom Chef rückt immer näher, das Telefon läutet und alle fünf Minuten kommt eine wichtige Email an - für viele ist der Arbeitsalltag mit zahlreichen Stress-Situationen verbunden. Grundsätzlich ist leichter Stress nichts Negatives: Herausforderungen und Zielvorgaben können mitunter die Leistungsfähigkeit sogar verbessern. Doch ab einem gewissen Ausmaß wirkt der Stress gegenteilig: Die Leistungsfähigkeit nimmt dann rapide ab.

Hormone bremsen unser denkendes Gehirn
Eine Beobachtung, die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München nun an Mäusen biochemisch untersucht haben. Sie setzten Mäuse akutem sozialem Stress aus. Einige Stunden später beobachteten die Forscher dann einen kognitiven Leistungsabfall. Die Tiere waren nicht mehr dazu in der Lage, sich an Wege durch ein Testlabyrinth oder die zeitliche Abfolge von Ereignissen zu erinnern - all das hatten sie zuvor jedoch gelernt, heißt es in der Presseaussendung des Max-Planck-Instituts. Ähnliches gilt auch für Menschen, da sind sich Maus und Mensch sehr ähnlich! ... 

präfrontaler Kortex (rot)
Die entscheidende Hirnregion ist der präfrontale Kortex (=der Gehirnteil der in der Stirne über den Augen sitzt). Er ist für Wahrnehmung, Erkennen und Denken zuständig. Wollen Maus oder Mensch flexibel auf Herausforderungen reagieren, dann müssen verschiedene Dinge gleichzeitig erledigt werden. Kommt es zu Stress, ist das nicht mehr möglich. Laut der Studie liegt das an einem Hormon, dem Corticotropin releasing hormone (CRH). Es wird in stressigen Situationen ausgeschüttet und führt in der Folge zu besagtem Leistungsabfall. Die Münchner Forscher gehen davon aus, dass der Mechanismus beim Menschen ähnlich funktioniert, da die Hirnstruktur in diesem Bereich ähnlich ist.

Alles auf einmal - Multitasking als Stressfaktor
Dass Stress die Leistungsfähigkeit beim Menschen mindert, ist auch aus neurologischen und psychologischen Studien bekannt. Ein Grund dafür sei das heute omnipräsente Multitasking, sagt der Neurologe Wolfgang Lalouschek. Alleine das Herumspringen zwischen einzelnen Tätigkeiten nehme bereits 40 Prozent unseres geistigen „Arbeitsspeichers“ in Beschlag, so der Stressforscher. Das hat weitreichende Folgen: Die Menschen werden nicht nur langsamer und vergesslich, sie fangen auch mehr Aufgaben an, als sie zu Ende bringen können. „Damit berauben sich die Menschen der eigenen Erfolgserlebnisse“, erläutert Lalouschek.

Ein weiterer negativer Effekt ist, dass das Gehirn auch nach der Arbeit nicht mehr zur Ruhe kommt. Die permanente Erreichbarkeit durch Handy und Emails verstärkt diesen Effekt. Die Gehirnzentren, die dafür zuständig sind, nachhaltig erfolgreiche Entscheidungen zu treffen, sind dann beschäftigt. Andere Hirnareale übernehmen diese Funktion. „Die sind aber sehr stark auf raschen Gewinn fokussiert“, sagt Wolfgang Lalouschek.

Der Teufelskreis aus Stress und Leistungsabfall
Die gewinnorientierten Entscheidungen sind selten die besten. Das heißt, die Arbeitsergebnisse werden quantitativ und qualitativ schlechter. Das habe auch für den Arbeitgeber Folgen, ist der Neurologe überzeugt: „Man muss davon ausgehen, dass zwischen 40 und 60 Prozent der möglichen Wirksamkeit von Menschen, Führungskräften und Organisationen auf unsichtbare Weise verloren gehen.“

Der Neurologe empfiehlt deswegen, wieder zum „Single Tasking“ zurückzukehren und möglichst eine Aufgabe nach der anderen anzugehen. Und den Arbeitgebern empfiehlt er, das auch möglich zu machen.
Quellen: ORF, Max-Planck-Instituts für Psychiatrie
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