Mittwoch, 3. August 2016

Hypnose: Was passiert bei Hypnose im Gehirn?

Forscher identifizieren neuronale Veränderungen im Trancezustand.
In Hypnose ist unser Gehirn im Ausnahmezustand: Forscher haben erstmals beobachten können, was im Gehirn bei einer Hypnose genau vor sich geht. 


Die US-Hypnose-Studie zeigt: Der Trancezustand offenbart sich durch drei typische Veränderungen in der Hirnaktivität. Das Wissen darüber, welche Regionen im Gehirn an einer erfolgreichen Hypnose beteiligt sind, eröffnet neue Ansätze auch für Therapien. Vor allem Menschen, die sich bislang nur schlecht hypnotisieren lassen, könnten davon profitieren.
Bildquelle: Fotolia

Falscher Glaube: Manche Menschen halten Hypnose auch heute noch für ein eingebildetes Phänomen – doch zu Unrecht, wie die Medizin heute weiß. Tatsächlich lassen sich mit der Methode der Hypnose psychische und körperliche Prozesse beeinflussen, die sonst nur schwer steuerbar sind. Neue Studien belegen: Hypnose hilft z.B. Patienten mit Angststörungen, lindert chronische Schmerzen (Schmerzkontrolle) und kann sogar die Schlafqualität verbessern. Vieles was man schon von Untersuchungen des Placeboeffekts kennt (Selbstheilungskräfte) kann auch durch die Hypnose aktiviert werden. "Hypnose ist die älteste Form westlicher Psychotherapie", sagen Wissenschaftler um Heidi Jiang von der Northwestern University in Chicago. "Sie ist ein effektives Mittel, um die Art und Weise zu verändern, wie wir unser Gehirn benutzen – und kann damit unsere Wahrnehmung und unseren Körper kontrollieren." Doch obwohl das medizinische Potenzial der Methode immer mehr Anerkennung finde, wisse man nur sehr wenig darüber, wie sie auf der physiologischen Ebene funktioniere. Das Forscherteam hat diese Wissenslücke nun weiter  geschlossen – und herausgefunden, was im Gehirn unter Hypnose passiert.

Messungen: Gehirn unter Beobachtung
Hypnose zeigt sich deutlich im Gehirn! In diesem fMRT-Bild zeigen rote
Bereiche die im Default Mode Network aktiven Areale an.
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Für ihre Studie warben die Wissenschaftler 36 Probanden an, die sich in Eignungstests als besonders gut hypnotisierbar erwiesen hatten, sowie 21 Teilnehmer, die sich nur sehr schwer in Trance versetzen ließen. "Diese Kontrollgruppe war wichtig - so die Forscher. Denn nur so konnten wir sicher sein, dass das, was wir sehen, tatsächlich auf die Hypnose zurückzuführen ist", erklärten die Forscher. Mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) einem bildgebenden Untersuchungsverfahren beobachtete das Team die Gehirnaktivität der Versuchsteilnehmer unter vier verschiedenen Bedingungen: Während sich die Probanden ausruhten, während sie sich an etwas erinnern sollten und zweimal, während sie hypnotisiert wurden. ... 

Die Veränderungen im Trancezustand waren bemerkenswert
Tatsächlich konnten Jiang und ihre Kollegen dabei nun eindeutig bestimmte Hirnregionen identifizieren, die sich im Trancezustand messbar verändern. So sinkt unter Hypnose zum einen die Aktivität im dorsalen anterioren Gyrus cinguli. Dieser Bereich gehört zum sogenannten Salienz-Netzwerk: Es entscheidet, wie stark wir auf bestimmte Reize reagieren und signalisiert damit, was besonders relevant ist. "Während der Hypnose ist man so versunken, dass man sich um nichts Anderes von außen kümmert", erklärt Mitautor David Spiegel von der Standford University.

Zweitens beobachtete das Team eine erhöhte Aktivität der Verbindung zwischen einem Teil des präfrontalen Kortex und der Inselrinde. Laut den Forschern hilft diese dem Gehirn dabei zu verarbeiten (bzw. auf einer anderen Ebene zu verarbeiten), was im Körper geschieht.

Und die dritte Veränderung passiert zwischen dem präfrontalen Kortex und dem sogenannten Default Mode Netzwerk, jenen Regionen, die beim Nichtstun aktiv sind und beim Lösen von Aufgaben deaktiviert werden. Die Verbindung zwischen diesen beiden Bereichen wird im Hypnosezustand schwächer.

Die Forscher glauben daher: Dass die eigenen Aktionen und das Bewusstsein durch diesen Effekt der Abschwächung nicht mehr verknüpft sind. Während der Hypnose führe dieser Zustand dazu, dass man sich in seinem Tun unbewusst von anderen (dem Hypnotiseur) leiten lasse. Interessanterweise beeinflusst auch regelmäßige Meditation die Verknüpfungen im Default Mode Netzwerk, wie Studien belegen. (Nur bleibt der Meditierende unter Selbstkontrolle, wie auch unter Selbsthypnose!)

Die neuen Untersuchungen zeigen Chance auch für schwer hypnotisierbare Menschen!
Hypnoseeinleitung mittels Neurostimulation (Whisper)
Diese neuen Erkenntnisse könnten künftig vor allem Patienten helfen, bei denen die Hypnose bislang nicht (oder nicht richtig tief) funktioniert. "Jetzt, wo wir wissen, welche Gehirnregionen an einem Trancezustand beteiligt sind, können wir die Effektivität einer Hypnose womöglich beeinflussen", sagt Spiegel. Die Idee der Forscher: Eine Therapie, die Hirnstimulation und Hypnose vereint. "Uns reizt der Ansatz, die Hypnosefähigkeit einer Person zu verbessern, indem wir gezielt bestimmte Bereiche in ihrem Gehirn stimulieren", so Spiegel.
 Anm.: Wir benützen schon seit Jahren die Neurostimulation (Whispern) bei der Hypnose-Einleitung, dadurch gelingt die Hypnose auch bei schwieriger zu hypnotisierenden Menschen leichter, die Hypnose wird tiefer und die Hypnosequalität verbessert sich. In einer modernen Hypnosepraxis ist eine Anwendung entsprechender Messgeräte und der Neurostimulationstechnik unumgänglich. 

Bislang gelten den US-Forschern zufolge nur rund zehn Prozent der Bevölkerung als außerordentlich gut hypnotisierbar, rund die Hälfte spricht mittelgut auf die Methode an. (Anm.: Das ist aber auch direkt von der Qualität und Möglichkeiten des Hypnotiseurs abhängig.) Die von dem Team erdachte Behandlung könnte unter Umständen auch den bislang nur schwer mit Hypnose therapierbaren Menschen helfen – und ihnen dadurch zum Beispiel starke Schmerzmedikamente ersparen. Bevor das möglich werde, sei aber noch mehr Forschung nötig, schließt das Team.
Quelle: Cerebral Cortex, 2016/Stanford University Medical Center, 29.07.2016 - DAL/
Quelle Anm.: IPN-Forschung/PEP-Center Wien
Link: http://cercor.oxfordjournals.org/content/early/2016/07/27/cercor.bhw220
Bildquellen ©: Walter Reed National Military Medical Center, und Fotolia
Hypnoseausbildung: PEP-Center/Eggetsberger
Schmerzkontrolle unter Selbsthypnose: PEP-Center/Eggetsberger

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