Samstag, 27. August 2016

Ultraschall-Vibration lässt Koma-Patient erwachen!

Eine gezielte Stimulation des Thalamus lässt das Bewusstsein zurückkehren! Nicht umsonst nennt man den Thalamus auch das Tor des Bewusstseins!
Koma-Patienten konnten auch schon länger durch das Einleiten von elektrischen Potenzialströmen in den Talamusbereich erweckt werden.

Mit unhörbaren Schallwellen aus dem Koma geweckt:
Forscher haben erstmals einen Koma-Patienten per Ultraschall sozusagen "wachgerüttelt". Sie beschallten dafür gezielt den Thalamus im Gehirn des Patienten mit mehreren kurzen Ultraschallpulsen. Die Folge: Schon am nächsten Tag besserte sich der Zustand des Mannes, drei Tage später war er wieder bei vollem Bewusstsein(!). Ob diese Methode auch anderen Patienten hilft, müssen nun weitere Tests zeigen.

Denn ob ein Koma-Patient wieder erwacht und wie gut sich seine Hirnfunktionen wieder regenerieren, lässt sich zumeist nicht vorhersagen. Zwar bieten in Hirnscans sichtbare Hirnschäden einen Anhaltspunkt, oft genug aber können Ärzte nur Vermutungen anstellen. Selbst bei Wachkoma-Patienten ist es meist schwer zu ermitteln, wie viel Bewusstsein der Betroffenen noch besitzt (Anm.: wie viel Bewusstsein noch Kontakt zum Gehirn hat).
Den Thalamus mit Ultraschall-Pulsen stimulieren,
Martin Monti von der University of California in Los Angeles und seine Kollegen haben nun eine völlig neue Methode ausprobiert, um Menschen aus dem Koma zu holen und ihre Regeneration zu beschleunigen. Sie wendeten die neue Methode erstmals bei einem 25-Jährigen an, der im Wachkoma lag und nur über ein minimales Bewusstsein verfügte.

Für die Behandlung legten die Forscher einen scheibenförmigen Ultraschall-Sender seitlich an den Kopf des Patienten. Über diesen schickten sie gezielte, schwache Ultraschall-Pulse direkt -über die Schädeldecke- in den Thalamus des Mannes – die Hirnregion im Zwischenhirn, die als "Tor zum Bewusstsein" gilt. Diese wichtige Schaltzentrale vermittelt zwischen Reizen und Informationen von außen oder aus anderen Hirnregionen und den Zentren des Bewusstseins in der Großhirnrinde, dem Frontalhirn. ... 

Ultraschall oder auch elektrische Ströme geben eine "Starthilfe" für Gehirnzellen
Durch diese Starthilfe kann das Bewusstsein wieder zurückkommenden. Die Behandlung dauerte nur zehn Minuten in dieser Zeit gab  es zehn Pulse für den Thalamus – diese zeigten eine verblüffend deutliche Wirkung: Bereits am Tag danach hatten sich die Reaktionen des Patienten auf Reize messbar verbessert. Nur drei Tage später hatte er sein volles Bewusstsein wiedererlangt, verstand Sprache und konnte mit der Außenwelt kommunizieren, indem er den Kopf schüttelte oder nickte.
"Die Veränderungen waren bemerkenswert", sagt Monti. "Es ist fast so, als hätten wir seinen Gehirnzellen Starthilfe gegeben und sie wachgerüttelt." Denn normalerweise bleibt die Aktivität des Thalamus beim langsamen Erwachen aus dem Koma noch lange beeinträchtigt. Allein mit Medikamenten oder Übungen lässt sich dies jedoch kaum beheben.

"Der einzige Weg war bisher eine riskante chirurgische Prozedur, bei der Elektroden direkt neben den Thalamus eingepflanzt werden" (durch diese Elektroden fließt dann ein feiner Strom in Richtung Thalamus), so Dr. Monti. "Unser Ansatz zielt ebenfalls direkt auf den Thalamus, ist aber nicht invasiv" also unblutig!

Mehrere Tests mit weiteren Patienten sollen folgen
Ob die Ultraschall-Methode generell bei Koma-Patienten helfen wird, oder ob dieser Pilot-Patient nur besonders großes Glück hatte, müssen nun weitere Studien zeigen. Aber die Hoffnung ist groß. Unklar ist auch, ob der Ansatz auch bei Patienten in tiefem Koma hilft oder nur bei denjenigen, die noch Reste minimalen Bewusstseins zeigen. Noch im Herbst 2016 werden die Forscher mit Tests bei weiteren Koma-Patienten beginnen.

Sollte sich das Verfahren bewähren, dann sehen sie darin einen vielversprechenden Weg, die Regeneration von Koma-Patienten zu verbessern und zu beschleunigen. Möglicherweise, so spekulieren die Wissenschaftler, könnte man den Ultraschall-Emitter in einer Art Helm einbauen. Dieser wird dann den Patienten zur Behandlung einfach aufgesetzt, das geht so auch bei längeren Stimulationseinheiten.
Quelle: Brain Stimulation - 2016; doi: 10.1016/j.brs.2016.07.008 /Non-Invasive Ultrasonic Thalamic Stimulation in Disorders of Consciousness after Severe Brain Injury: A First-in-Man Report, University of California - Los Angeles, 26.08.2016 - NPO/
Quelle Anm.: IPN-Forschung
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Link: http://dx.doi.org/10.1016/j.brs.2016.07.008