Dienstag, 11. Oktober 2016

Bienen und Hummeln nutzen die elektrischen Felder von Blüten als Orientierungshilfe

Die Natur ist elektrisch!
Forschung: Bienen und Hummeln nutzen die elektrischen Felder ("elektrische Aura") von Blüten als Orientierungshilfe und Informationsquelle.


Allgemein ist bekannt: Blüten locken bestäubende Insekten (wie z.B Bienen und Hummeln) durch ihre Farben, ihre anmutige Formen und Duft an. Nun haben britische Forscher entdeckt, dass Blüten noch über einen weiteren Werbebotschaften-Kanal ihre Locksignale senden: Nämlich durch elektrische Felder.
Hummeln können diese feinen elektrischen Signale wahrnehmen und daran erkennen, ob Blüten Nektar bieten oder nicht, das berichten die Biologen um Daniel Robert von der University of Bristol.

Schon aus früheren Untersuchungen war bereits bekannt, dass Blüten eine leicht negative (-) elektrische Ladung aufweisen und ebenso, dass Bienen sich bei ihrem Flug durch die Luftreibung positiv (+) aufladen. Dies brachte Dr. Robert und seine Kollegen auf die Idee, dass die Insekten möglicherweise elektrische Ladungen wahrnehmen könnten und sich daran orientieren. Um dieser Frage nachzugehen, führten sie gezielt Versuche mit Hummeln durch. ...


Hintergrund: Die Forscher entwickelten für ihre Experimente künstliche Blüten, die sich mit unterschiedlichen elektrischen Ladungen versahen.
Wie ihre natürlichen Vorbilder boten sie den Hummeln auch eine Nahrungsquelle. Die lernfähigen Insekten nahmen dieses Angebot gern an und besuchten die künstlichen Blüten ebenso wie natürliche. Um nun herauszufinden, ob die Insekten elektrische Felder wahrnehmen können, gaben die Forscher manchen Kunstblüten eine leichte elektrische Ladung, andere blieben dagegen ohne dieser elektrischen Ladung. Die geladenen Kunstblüten befüllten die Biologen mit Zuckersaft, die ungeladenen dagegen mit einer bitteren Flüssigkeit. Nun ließen sie die kleinen Brummer auf die Attrappen los und beobachteten ihr Verhalten.

Schnell zeigte sich: Die Insekten lernten, die ungeladenen Kunstblüten mit dem scheußlichen Getränk zu meiden und stattdessen nur die Attrappen mit dem elektrischen Feld und dem süßen Saft anzufliegen.
Zur Absicherung: Um dieses Ergebnis zu überprüfen, nahmen die Forscher nun den Nektarblüten die elektrische Ladung – sowohl bittere als auch süße Blüten waren nun also elektrisch neutral. Ergebnis: Nun konnten sie die Hummeln nicht mehr unterscheiden – für die Biologen der Beweis, dass die Insekten sich zuvor an der elektrischen Ladung orientiert hatten.

Das elektrische Feld der Blüten zeigt: Hier war schon eine Hummel oder Biene
Die Forscher vermuten, dass Bienen unter natürlichen Bedingungen durch ihren „sechsten Sinn“ auch feststellen können, ob eine Blüte gerade von einer anderen Biene besucht wurde und deshalb momentan keinen Nektar bietet. Dr. Robert und seinen Kollegen zufolge könnten die Insekten das an folgendem Zusammenhang erkennen: Wenn eine positiv geladenen Hummel auf einer Blume mit leicht negativem Potenzial landet, verändert sich natürlich das elektrische Feld der Blüte für eine gewisse Zeit. Diesen Effekt konnten die Forscher durch an Petunien angebrachte Elektroden nachweisen. "Eine Pflanze hat kein Interesse daran, eine Hummel anzulocken, aber dann keinen Nektar zu liefern, denn die lernfähigen Insekten würden dann schnell das Interesse an den Blüten dieser Pflanze verlieren“, erklärt Daniel Robert.

Wie die Insekten elektrische Felder wahrnehmen, bleibt nun noch eine offene Frage, sagen die Forscher. Es könnte allerdings sein, dass die pelzigen Tierchen mit ihren Borsten feine Bewegungen wahrnehmen können, die durch elektrostatische Kräfte ausgelöst werden, spekulieren sie. Diesen Effekt kann man beispielsweise feststellen, wenn man sich mit dem Kopf einem Bildschirm nähert: Die Haare werden von dem geladenen Objekt leicht angezogen.
Quelle: Daniel Robert (University of Bristol) et al.: Science, doi: 10.1126/science.1230883/, http://www.sciencemag.org/