Dienstag, 18. Oktober 2016

Warum können uns Emotionen von anderen mitreißen?

Österreich - Eine Grazer Forscherin analysiert entscheidenden Einfluss des präfrontalen Cortex. Was läuft im menschlichen Gehirn beim "Mitweinen", "Mitleiden" bei einem Liebesfilm ab. Was passiert wenn uns das Lachen oder Gähnen eines anderen ansteckt?
Frontalhirn rot eingezeichnet
Und warum lassen sich manche Menschen eher von emotionalen Reaktionen unbewusst anstecken als andere? Das untersuchte die Forschergruppe der Grazer Neuropsychologin Ilona Papousek. Das Prinzip dahinter beruht im Wesentlichen auf der unbewussten Wahrnehmung von Bewegungen, Mimik und Körperhaltungen unserer Mitmenschen. "Der Emotionsausdruck eines Gegenübers kann Menschen sprichwörtlich anstecken", so beschreibt Papousek den vollkommen automatisierten Prozess der "Emotionalen Ansteckung".

Die Forschungen an der Universität Graz sind Teil des universitären Forschungsschwerpunktes "Gehirn und Verhalten", der empirisch-verhaltenswissenschaftliche und neurowissenschaftliche Methoden kombiniert.

Das Stirnhirn bzw. der Präfrontaler Cortex übernimmt die Feinabstimmung (Dimmen) der emotionale Signale.
Emotionsregulation: Prof. Papouseks Forschungsgruppe hat in den jüngsten Studien unter anderem Probanden kurze Filme vorgespielt und sich dann die Daten zur Hirnaktivität, die über das EEG (Elektroenzephalogramm) ermittelt wurden, ausgewertet. Hier gibt es Hinweise, dass vor allem das Frontalhirn als Regulator der hereinkommenden Emotionsinformation tätig ist. ...

Laut Papousek: "Der präfrontale Cortex ist sozusagen der Regler für die eintreffenden, wahrgenommenen emotionalen Signale. Dieser Hirnbereich moduliert die Informationen, die über den posterioren Cortex ins Gehirn kommen und kann sie hinauf- oder hinunterregulieren". Je weniger Einfluss das Frontalhirn nimmt, umso eher schlägt die emotionelle Information durch, und der Mensch fühlt sich förmlich vom Gefühl überwältigt, so die Grazer Wissenschafterin. Das Frontalhirn ist (das ist schon lange bekannt) der Emotionsregler, sowohl positive wie auch negative Emotionen können durchs Frontalhirn ausgeregelt werden. Vor allem das linke Frontalhirn kann hier stark eingreifen.

Dieser Mechanismus der Top-down-Kontrolle ist von Mensch zu Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Darum bleiben manche von Emotionen anderer Menschen nahezu unbeeindruckt und andere erleben die Emotion, die Situation wie ihre eigene. "Hier kommt es zu einer verstärkten Koppelung zwischen den beiden Regionen des Gehirns", schildert die Psychologin. Die Untersuchungen haben u.a. auch ergeben, dass Personen mit Persönlichkeitsstörungen stärker für die Übertragung von Gefühlen anderer empfänglich sind - vor allem für die negativen Gefühle und insbesondere für Ärger.
Quelle: Uni Graz, Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Ilona Papousek, u.a. 
Link: Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Ilona Papousek Homepage: http://www.uni-graz.at/biologicalpsychology/research-ip0.html