Mittwoch, 26. Oktober 2016

Wo tiefe Meditationszustände ihren Anfang nehmen

... im sogenannten Parietallappen (Scheitellappen) des Gehirns!

Der Parietallappen (Scheitellappen) dient in erster Linie der Orientierung: 
Wie sieht die unmittelbare Umgebung aus? Was ist wo, was bewegt sich wohin? Was befindet sich in der Hand? Wo endet mein Körper, wo befindet sich mein Körper? Schon aus diesem Wissen heraus ist klar ersichtlich, dass der Parietallappen bei der Meditation bzw. bei höheren Meditationserlebnissen eine wesentliche Rolle spielt.

Wird der Parietallappen in seiner Aktivität gedämpft, so verschwimmen die Grenzen zwischen dem eigenen Körper und der Umgebung. Zwischen der Ich-Wahrnehmung und allem was ist.

Menschen, die meditieren oder z.B. Rosenkranz beten, versinken in einen tranceähnlichen Zustand. Um den neurologischen Mechanismus dieses Zustandes zu erklären, haben Wissenschaftler nun die Gehirnaktivitäten buddhistischer Mönche untersucht.

Das Ergebnis: Während zuvor aktive Gehirnregionen "einschlafen", erscheinen andere Regionen signifikant stimuliert. Es entsteht: Mehr Aufmerksamkeit, weniger Orientierung.
Festgestellt wurde ein eindeutiger Aktivitätsanstieg in jenen Teilen des Vorderhirns, in denen sich die Zentren für Aufmerksamkeit auf spezielle Aufgaben befinden. ...

Dafür waren die Parietallappen weniger aktiv, die unter anderem für den Orientierungssinn verantwortlich sind. Dies verstärkt die schon bekannte Ansicht, dass Meditation zu einer Reduktion der Raumwahrnehmung führt.

Verlust von Selbst, Raum und Zeit. 
"Die Meditierenden verlieren den Sinn für das Selbst und erfahren sehr oft ein Gefühl von Raum- und Zeitlosigkeit. Genau das haben wir mit den Untersuchungsmethoden feststellen können", so Dr. Andrew Newberg, Radiologe der University of Pennsylvania, gegenüber dem TV-Sender BBC.

Newberg und sein Forscherteam hatten eine Gruppe buddhistischer Mönche aus Tibet, die ungefähr eine Stunde lang meditierten (Achtsamkeitsmeditation), untersucht.

Ähnliche Test wurden schon an Nonnen durchgeführt 
Die komplexen Interaktions- und Aktivitätsmuster zwischen verschiedenen Gehirnregionen standen auch schon im Mittelpunkt früherer Untersuchungen von spirituellen oder mystischen Erfahrungen.

So erforschte Newberg die Gehirnaktivitäten von christlichen Nonnen des Franziskanerordens während einer bestimmten Art von Gebet (Rosenkranz beten).

Der Unterschied zur Meditation 
Da Gebete Worte enthalten (ähnlich auch bei Mantrameditationsformen), waren dabei auch in anderen Teilen des Gehirns (die für die Sprache und Wortbildung zuständig sind) Aktivitäten feststellbar. Dennoch zeigte sich auch schon bei den Nonnen eine besondere Tätigkeit des Aufmerksamkeitszentrums und nur eine geringe Beanspruchung des Orientierungszentrums also der Parietallappen.

Die Hintergründe genauer beleuchtet 
Bei der Meditation wurden neurobiologische Veränderungen im Gehirn registriert.
Nicht nur die EEG-Hirnströme und ihre unterschiedlichen Frequenzen (Gamma-Wellen und Delta-Wellen) veränderten sich. Die signifikante Veränderung zeigt sich im Auftreten von Gamma-Hirnwellen.


Zum besser lesen (vergrößern) Tabelle anklicken!
Was viel wichtiger war: Auch die Intensität an Aktivität in den Hirnarealen, die zum einen für die Aufmerksamkeit und zum anderen für die Orientierung zuständig sind veränderten sich.

Genauer gesagt: Während im "Orientierungsfeld" (im hinteren Bereich des Gehirns) die Aktivität nachlässt, nimmt sie im „Aufmerksamkeitsfeld" (im vorderen Bereich des Gehirns) zu.

Hintergrund: Das Orientierungsfeld im Gehirn hat wie schon gesagt die primäre Aufgabe, die Orientierung des Individuums im physikalischen Raum zu gewährleisten, indem es eine klare Abgrenzung zwischen "ICH" und "NICHT-ICH" vornimmt und sozusagen eine Grenze zieht zwischen mir als Person und dem Rest der Welt.

Patienten mit Schädigungen in dieser Gehirnregion können beispielsweise ihr Bett nicht finden und wenn sie es gefunden haben, können sie sich nicht einfach hinlegen.

Hinweis: Da dieser Abgrenzungsprozess unentwegt stattfindet, ruht das Orientierungsfeld im Normalzustand sozusagen nie.

Umso erstaunlicher ist das Ergebnis der Meditationsanalyse. Mit der Inaktivierung dieses Areals scheint die Ich-Welt-Grenze aufgehoben und mit ihr der Bezug zu Raum und Zeit. Eine unglaublich interessante wie auch intensive Erfahrung.

Dies erklärt das Gefühl der Meditierenden von Ewigkeit und Endlosigkeit, die Auflösung des Selbst in etwas Größeres, Umfassenderes -- ein Einheitsgefühl mit dem Universum, wovon Mystiker aller Kulturen berichtet haben (Unio mystica, Nirwana, Tao, Brahman-atman etc.).

Andrew Newberg - Official Web-Site Link: http://www.andrewnewberg.com/ 
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Parietallappen allgemein: 
Allgemein spielt der Parietallappen eine wichtige Rolle bei der Integration sensorischer Informationen. Er enthält die Brodmann-Areale 1, 2, 3, 5, 7, 39, 40 und 43 (siehe Bild rechts).

Der vordere Bereich der Parietallappen ist beteiligt an somatosensorischen Funktionen.
Der obere Bereich wirkt bei der visuellen Steuerung von Bewegungen und Erkennung von Reizen im betrachterbezogenen Raum mit und ermöglicht damit die räumliche Aufmerksamkeit, den Wechsel von einem Reiz auf den anderen.
Der untere Bereich ist für das räumliche Denken und „quasi-räumliche“ Prozesse wie Rechnen und Lesen zuständig.Ein Teil des Parietallappens ist für die Zeitwahrnehmung zuständig (hier kann sich die Zeit "auflösen").
Als ein weiteres separates Funktionszentrum im Parietallappen lässt sich der Sulcus intraparietalis ansehen, welcher beim Menschen aus mehreren funktionellen Arealen besteht, welche als Schnittstelle zwischen den Sinnessystemen (vor allem des visuellen Systems) und dem motorischen System für die Berechnung, Ausführung und Kontrolle von Hand und Augenbewegungen fungieren.
Quelle: WWW.PcE-Training.com / Eggetsberger
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