Donnerstag, 26. Januar 2017

Reis besitzt mehr Gene als der Mensch. Die DNS-Sequenzen zweier Sorten sind entziffert

Viele Menschen sind auf Grund des Ergebnisses überrascht und enttäuscht!
Der Mensch hat weniger Gene als Reis!
Es ist nicht neu, aber trotzdem für viele verblüffend. Mit den Daten, die schon 2002 im amerikanischen Fachmagazin "Science" veröffentlicht wurden, gelangt die Pflanzenforschung einen gewaltigen Schritt nach vorne. Denn mit Hilfe der vorliegenden Informationen, können Forscher den Pflanzengenen schneller Funktionen zuordnen. Die Wissenschaftler aus den USA und China stellten ihre jeweils zu rund 92 beziehungsweise 93 Prozent vollständigen Arbeitsversionen damals im amerikanischen Fachmagazin "Science" vor. Sie hoffen, mit diesen Daten die Zucht besonders ertragreicher und widerstandsfähiger Sorten zu beschleunigen. Auf diese Weise soll der stetig wachsende Nahrungsbedarf der Weltbevölkerung gedeckt werden. Für etwa die Hälfte aller Menschen ist Reis die Grundlage des täglichen Überlebens.

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Eine Besonderheit der Veröffentlichung ist, dass eine öffentlich wie auch eine privat finanzierte Forschungsgruppe ihre Arbeitsversionen der Gensequenzen vorstellt: Das Team um Stephen A. Goff vom Torrey Mesa Research Institute in San Diego des Schweizer BiotechnikKonzerns Syngenta hat das Genom der Reissorte "Oryza sativa L. ssp. japonica" sequenziert. Die Kollegen um Jun Yu vom Beijing Genomics Institute (BGI) der chinesischen Akademie der Wissenschaften und der Universität in Seattle analysierten das Erbgut der Variante "Oryza sativa L. ssp. indica". Die Forschergruppen haben angekündigt, ihre Ergebnisse öffentlich zugänglich zu machen.

Beide Studien gehen davon aus, dass Reis kleinere, aber dafür mit 42 000 bis 63 000 Genen MEHR Erbanlagen(!) hat als der Mensch, der NUR ca. 23 000 Gene besitzt. Mit seinem vergleichsweise kleinen Genom von rund 420 Millionen Paaren chemischer Bausteine eignet sich Reis zudem gut als Modellpflanze für Genetiker, die viele der beim Reis gewonnenen Ergebnisse auf andere Getreide übertragen können. ...
Syngenta hatte bereits im Januar 2001 mitgeteilt, das Genom einer Reissorte entschlüsselt zu haben. Auch die Monsanto Company, einer der höchst umstrittenen Konzerne und Weltmarktführer für Agrarprodukte und gentechnisch veränderter Pflanzen, hatte eine Arbeitsversion des Reisgenoms erstellen lassen.

"Die DNA-Sequenzen bedeuten für uns wertvolles Rohmaterial, doch die eigentlich wichtige Frage stellt sich nun nach der Funktion der entzifferten Gene", betont Professor Horst Lörz von der Universität in Hamburg. Erst dann könne man die Informationen für die Züchtung verbesserter Pflanzen nutzen. "Wir haben zum Beispiel ein Gen, das die pflanzlichen Abwehrkräfte beeinflusst aus der Weinrebe in Weizen verpflanzt", beschreibt Lörz die Möglichkeiten, die sich ohne die molekulare Methoden nicht umsetzen ließen.

Neben der Züchtungsforschung erlauben die neuen Daten außerdem Einblicke in die Entwicklungsgeschichte der irdischen Flora. Während als erste Pflanze sequenzierte Arabidopsis thaliana ein Vertreter der so genannten Dikotyledonen ist, steht Reis Modell für die Monokotyledonen, zu denen sämtliche Gräser und damit Getreide zählen. Wie die Sequenzvergleiche jetzt zeigten, finden sich etwa 80 Prozent der Arabidopsis-Gene im Reisgenom wieder, aber umgekehrt nur knapp die Hälfte der Getreide-Erbinformationen beim "Ackerunkraut". Die Forscher vermuten, dass eine enorme Vervielfältigung der Gene für dieses Ungleichgewicht verantwortlich sein könnte. Dies geschah nachdem sich, die beiden Gruppen der Blütenpflanzen vor rund 200 Millionen Jahren trennten.

Krönung der Schöpfung?
Der Mensch hat je nach Analysemethode zwischen 93,5 bis 99,4 Prozent genetische Gleichheit mit Schimpansen. Aber auch die Maus und der Mensch sind genetisch fast identisch, Die Wissenschaftler um Richard Mural von der US-Firma Celera Genomics identifizierten auf dem Erbgutträger der Maus insgesamt 731 Gene. Für den Großteil dieser Nager-Gene fanden die Forscher Entsprechungen im menschlichen Erbgut, nur für 14 scheint es keinen humanen Doppelgänger zu geben. Auf der anderen Seite fanden sich in den verglichenen Abschnitten nur 21 menschliche Gene, die nicht bei der Maus vorkamen.
Quelle: Fachmagazin "Science" und Zeitschrift Spiegel
Bildquelle: pixabay/bearbeitet