Montag, 13. Februar 2017

Eine Forschergruppe berichtet von neuen Untersuchungen zum Thema Nahtoderfahrungen

Ein Wissenschaftsprojekt, das von einer israelischen Neurologin geleitet wird, scheint zu bestätigen, dass ein Begleitphänomen der Nahtoderfahrungen, der sogenannte "Lebensrückblick", mehr als nur ein Mythos ist und in der Realität verwurzelt liegt.

Nahtoderfahrungen (NTE) werden oft von dem Phänomen des sogenannten "Lebensrückblickes" begleitet, bei dem die betroffene Person Ereignisse aus der eigenen Vergangenheit vor dem inneren Auge ablaufen sieht.

Symbolbild: Nahtod-Lebensrückblick (NTE)
Eigentlich hat jeder schon einmal davon gehört: In akuter Lebensgefahr oder kurz vor dem Tod laufen die wichtigsten Momente des Lebens wie ein Film vor dem inneren Auge der Betroffenen ab. Aus Sicht der Wissenschaft war diese Lebensrückschau, als Teilaspekt von Nahtoderfahrungen bislang nur schwer zu fassen. So entstand aber auch im Laufe der Zeit die bekannte Redewendung »Das Leben vor dem geistigen Auge ablaufen sehen«, ein Phänomen das bei lebensbedrohlichen Situationen immer wieder auftreten soll.

Lebensrückschau
Hintergrund: Wie das Team um Judith Katz von der Hadassah University aktuell im Fachjournal „Consciousness and Cognition“  berichtet, haben sie zunächst die Aussagen von Personen ausgewertet, die bereits eine solche Lebensrückschau (engl.: Life Review Experience = LRE) erlebt haben wollen. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass alle Berichte wichtige gemeinsame Elemente beinhalteten, von denen einige auch den allgemeinen Klischeevorstellungen von LREs, wie sie in Filmen und Bücher kolportiert werden, widersprechen: So beschrieben die Zeugen übereinstimmend, dass der Ablauf der sich „abspielenden“ Ereignisse nur selten chronologisch korrekt geordnet wiedergegeben wurde. Statt dessen seien einige der wichtigsten Lebensereignisse als »Rückschau« nicht chronologisch angelegt gewesen und den Betroffenen eher wie eine zufällige Reihe von "Best-of-Ereignisse" erschienen, die manchmal auch zeitgleich gezeigt wurden. ...

Bemerkenswert
Ebenfalls übereinstimmender Teil der untersuchten LRE waren tief emotionale Erfahrungen, die die Zeugen auch aus der Perspektive ihrer Angehörigen und/oder Freunde „erlebt“ hatten: „Ich konnte mich in einzelne Personen hineinversetzen und den Schmerz spüren, den sie in ihrem Leben erfahren hatten.  es war mir erlaubt, Teil dieser Menschen zu werden und zu fühlen, was sie fühlten", so die detaillierte Schilderung eines der Befragten. Auch die Konsequenzen der erlebten Lebensrückschau waren für alle Befragten gleich und stellten eine starke Zäsur in der Wahrnehmung für sie wichtiger Personen und Lebensereignisse dar.

Eine andere Person schilderte, dass er in alle ihm nahestehenden Menschen "hineingehen" und deren Schmerzen spüren konnte, die sie in ihrem Leben gelitten hatten. Er konnte ein Teil von ihnen sein und selber fühlen, was sie fühlten.

Wieder ein anderer berichtete: „Ich sah und spürte diese Dinge von ihm [seinem Vater] und er ließ mich an all‘ die Dinge aus seiner frühen Kindheit teilhaben und fühlen, wie schwierig sie für ihn waren.“ Tatsächlich behaupteten alle Teilnehmer der Studie, dass sie nach ihrem Lebensrückblick die ihnen nahestehendsten Menschen - oder die wichtigsten Ereignisse in ihrem Leben ganz anders betrachteten als vor dem Erlebten Lebensrückblick. Diese Feststellung hält Katz persönlich als den interessantesten Teil der Studienergebnisse.

Gehirn: Basierend auf der Auswertung der Befragungen ordneten die Neurologen die beschriebenen Erfahrungen bestimmten Hirnregionen zu in denen das Phänomen entweder entsteht oder auch interpretiert wird – das sind jene Hirnareale, in denen man heute annimmt dass die autobiografischen Erinnerungen gespeichert werden. Das sind vor allem der Präfrontale Cortex, die Temporallappen (Schläfenlappen) und der parietale Assoziationscortex.

Für die Forscher weisen die gemeinsamen, aber von den Populärvorstellungen stark abweichende Aspekte darauf hin, dass es sich bei den LRE um ein tatsächlich reales verbreitetes Phänomen handelt(!).
Quellen: Fachjournal „Consciousness and Cognition“, DOI: 10.1016/j.concog.2016.10.011/ u.a.
Link: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1053810016301441
Bildquellen: Symbolbild, pixabay - bearbeitet © IPN-Bildwerk