Sonntag, 25. Juni 2017

Blut- und / oder Spritzenphobie

Es beginnt mit rot, dann kommt oft nur noch schwarz: Menschen mit einer Blut- oder Spritzenphobie fallen nicht selten in Ohnmacht. Aber warum eigentlich?

Manchen Menschen wird beim Anblick von Blut ganz anders. Viele werden panisch, wenn eine Spritze auch nur in ihre Nähe kommt. Viele Menschen haben Ängste, beispielsweise Höhenangst, Platzangst, Angst von Spinnen - Mäusen ... doch es gibt bei Blut- oder Spritzenphobie einen großen Unterschied zu den anderen Ängsten: Denn diejenigen die unter anderen Ängsten leiden, fallen NICHT in Ohnmacht.

Hintergrund: Wer kein Blut sehen kann (schon gar nicht sein eigenes), der leidet nicht an Überempfindlichkeit, sondern an einer entsprechenden Angststörung. Offiziell wird sie Blutphobie oder auch Hämatophobie genannt. Trypanophobiker hingegen haben panische Angst vor Spritzen. Trypanophobie heißt eigentlich "Angst vor dem Stechen". Betroffene haben also eher Angst vor dem, was die Spritze mit ihnen anstellen wird, als vor der Spritze an sich. Nicht vor dem zu erwartenden Stickschmerz. Der Einfachheit halber hat sich aber die Bezeichnung Spritzenangst eingebürgert. Beide Ängste gehören zur Gruppe der Blut-, Spritzen- und Verletzungsphobien. Gerade diese Ängste zeigen welch einen guten Einfluss der menschliche Geist auf die ansonst autark ablaufenden Körpergeschehen hat. Trypanophobiker sind nämlich unbewusst in der Lage ihre Blutgefäße zusammen zu ziehen, und zwar immer dann wenn z.B. Blut aus einer Vene abgenommen werden soll, oder ein Blutstropfen aus der Fingerkuppe herausgedrückt werden soll. Denn in einem solchen Fall, zieht der Betroffenen das Gewebe, das Gefäßsystem (und die sog. glatten Muskeln) zusammen. Aus dem Finger kommt kein Tropfen Blut, der Arzt findet die Venen zur Blutentnahme nicht mehr. Ärzte und Krankenhauspersonal kennen den Effekt zur Genüge. ...

Warum? Ist die Ohnmacht eine Überlebensstrategie?
Wenn der Blutdruck absackt: Blut- und Spritzenphobiker kippen also eher um, als dass sie die Flucht ergreifen oder kämpfen. Aber warum? Mit gleich drei verschiedenen Thesen versuchen Forscher derzeit dieses Verhaltensrätsel zu erklären:

Theorie Nr. 1: Die Ohnmacht könnte durchaus eine sinnvolle Überlebensstrategie sein. Durch die sinkende Herzrate und den niedrigeren Blutdruck käme es im Falle einer Verletzung zu einem geringeren Blutverlust (Blutgefäße sind ja zusammengezogen, die Hände und Füße sind zumeist eiskalt). Diese Erklärung macht für Leute, die kein Blut sehen können, durchaus Sinn. Für Menschen mit einer Angst vor Spritzen aber weniger, da es dabei praktisch gar nicht zu einem Blutverlust kommt - bei Impfungen wird ja sogar noch etwas dem Körper zugeführt.

Theorie Nr. 2: Es wäre laut Forscher auch möglich, dass diese Ängste vom gleichen physiologischen Mechanismus gesteuert werden wie das Ekelgefühl. Dieses soll uns vor Gefahren durch schlecht gewordene Nahrung und ähnliches bewahren. Wäre es wirklich sinnvoll, beim Anblick von ekligem Essen in Ohnmacht zu fallen? Wohl eher nicht. Vermeidung oder Flucht wären hier wohl angebrachter.

Theorie Nr. 3: Vielleicht handelt es sich um eine Reaktionsweise, die auf unsere Vorfahren aus der Steinzeit zurückgeht. Damals hatte man, wenn man einem bewaffneten Fremden begegnete, drei Möglichkeiten: Kämpfen, weglaufen oder eben in Ohnmacht fallen, sich also tot stellen. Vermutlich war Möglichkeit drei ganz erfolgreich und hat sich deshalb bis heute gehalten.

Resumé: Was genau die Ohnmacht bei Blut- und Spritzenphobikern auslöst, ist also bis heute nicht klar. (Aber immerhin haben die Forscher viele Erklärungsansätze entwickelt ). Für die Betroffenen gibt es aber dennoch eine kleine gute Nachrichten: Spezielle Muskelübungen können eine bevorstehende Ohnmacht zumeist gut bekämpfen. Nämlich das Anspannen von großen Muskelgruppen, z.B. Oberschenkel und Gesäßmuskel. Durch das Anspannen dieser Muskeln wird das Blut aus den Muskelbereichen gedrückt, der Blutdruck steigt etwas an und dadurch wird es leichter bei Bewusstsein zu bleiben.
Quellen: Div.Publikationen und Wikipedia
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