Dienstag, 27. Juni 2017

Strategie des Schreckens, Erinnerung an die Aufdeckung von Geheim- und Terrororganisationen ...

Die nachfolgenden Informationen lesen sich wie das Drehbuch für einen James-Bond-Film.
Eine unfassbare Geschichte, ein geschichtlicher Rückblick der viele nachdenklich machen kann: 1984 untersuchte der Untersuchungsrichter Felice Casson ein Bombenattentat von 1972 mit drei Todesopfern, dessen Täter nicht ermittelt worden waren. Er fand viele Unstimmigkeiten in den früheren Untersuchungsergebnissen, die auf gezielte Manipulation und Beweisfälschung deuteten. Schließlich fand er den Rechtsextremisten Vincenzo Vinciguerra, einen Ordine Nuovo-Angehörigen, der im Zuge der Ermittlungen ein umfangreiches -und vor allem folgenreiches- Geständnis ablegte: Er sei von Personen aus dem Staatsapparat gedeckt worden und das Attentat Teil einer umfassenden Strategie gewesen(!). 

Vincenzo Vinciguerra
Vincenzo Vinciguerra (* 1949 in Catania) ist ein italienischer Terrorist und früheres Mitglied der neofaschistischen Organisationen Avanguardia Nazionale und Ordine Nuovo („Neue Ordnung“). Er verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Mord an drei Carabinieri mit einer Autobombe nahe dem Ort Peteano im Jahr 1972. Die Ermittlungen zu der bis ins Jahr 1984 nicht aufgeklärten Straftat durch den Untersuchungsrichter Felice Casson führten über das Geständnis Vinciguerras zur Aufdeckung der Geheimorganisation Gladio in Italien.

Zitat von Vinciguerra, ursprünglich aus einem der Interviews (Gladio Part 2).
Vinciguerras sagte im Prozess: „Man musste Zivilisten angreifen, Männer, Frauen, Kinder, unschuldige Menschen, unbekannte Menschen, die weit weg vom politischen Spiel waren. Der Grund dafür war einfach. Die Anschläge sollten das italienische Volk dazu bringen, den Staat um größere Sicherheit zu bitten. […] Untersuchungsrichter Casson ermittelte weiter und fand heraus, dass Mitarbeiter des SISMI (der militärische Nachrichtenagentur von Italien), des Vorgängers SID, Neofaschisten zwischen 1960 und 1980 viele politisch motivierte Terroranschläge und Morde in Italien begangen hatten. ...
Richter Cassons Enthüllungen führten zu einer Staatskrise in Italien. 
Der italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti gab im Rahmen einer nachfolgenden parlamentarischen Untersuchung an, dass Stay-behind-Organisatioen (also geheime paramilitärischeWiderstandsorganisation) auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern existierten. Dies führte zu parlamentarischen Anfragen in mehreren Ländern. In Italien, Belgien und der Schweiz kam es zu Untersuchungskommissionen.

Die im Zuge der Untersuchungen aufgedeckten Geheimorganisationen entstammte nicht etwa staatsfernen Institutionen, sondern dem Staatsapparat selbst, genauer dem Bereich der Verbindungen des Staats zur NATO.

Das Geständnis von Vinciguerras führte zur Aufdeckung der Geheimorganisation Gladio
Das Europaparlament drückte nach einer Debatte am 22. November 1990 seinen scharfen Protest gegenüber der NATO und den beteiligten Geheimdiensten aus.

> Dokument - Entschließung des Europäischen Parlaments zur NATO-/CIA-Organisation Gladio. <
Europäische Gemeinschaften // European Communities
Eigener Scan des offiziellen Amtsblatts der Europäischen Union Nr. C324/201,
Zum lesen, Bild oben einfach anklicken!

Nach einem Zeitungsbericht vom 10. November 1990 in der Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek bestätigte Jacques Santer am 14. November 1990 vor dem Luxemburger Parlament die Existenz einer Stay-behind-Organisation in Luxemburg und verfügte als zuständiges Regierungsmitglied deren umgehende Auflösung. In anderen Ländern (auch in Österreich und der Schweiz) wurden solche Organisationen aufgedeckt. In Deutschland wurde 1990 von der Regierung Kohl die Existenz einer Stay-behind-Geheimarmee ebenso bestätigt (Info-Link).

Denn die Aufdeckung von Gladio in Italien löste einige Untersuchungen zu den westeuropäischen Stay-Behind-Gruppen aus, zu ihrer Koordination und ihren Aktivitäten bis 1990. Der Schweizer Historiker Daniele Ganser widmete diesem Thema seine 2005 veröffentlichte Dissertation. Er vertritt darin die These, dass die „Geheimarmeen“ in vielen westeuropäischen Staaten bestimmten NATO-Gremien unterstellt waren, von dort aus gelenkt wurden und an Staatsterrorismus nach Art der italienischen Strategie der Spannung beteiligt gewesen seien.

Viele fragen sich heute wieder: Gibt es heute ähnliche oder noch gefährlichere Organisationen in Europa, in der EU - die wieder von Geheimdiensten und Politik gedeckt werden? Keiner kann derzeit darauf eine Antwort geben, auch vor der Aufdeckung von Gladio und den anderen beteiligten Organisationen -die von einigen Politikern und den Geheimdiensten geschützt wurden- wäre auch nur ein Gedanke an die Existenz solcher Organisationen als reine Verschwörungstheorie lächerlich gemacht worden. Das gleiche gilt auch heute, solche Dinge sollen so schnell wie möglich vergessen werden, denn sie könnten den Glauben an nur positiv handelnde Politiker, Geheimdienste etc. erschüttern. 

Von welcher Seite die Anschläge der nahen Vergangenheit inszeniert wurden, ist natürlich auch nur schwer zu überprüfen, ob sie religiös oder politisch motiviert sind, ob Geheimdienste, Organisationen oder religiöse Fanatiker letztendlich dahinter stecken wird man sicher erst in einigen Jahren wissen. Man muss sich auf jedem Fall hüten voreilige Schlüsse zu ziehen. Der obere Beitrag zeigt ganz deutlich, auch was nach außenhin klar und eindeutig aussieht, kann in Wirklichkeit ganz anders sein.
Quellen ©: Wikipedia u.a. 
Bildquelle ©: Unbekannt, Symbolfoto-pixabay, Bild - EU-Parlament
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