Mittwoch, 10. Januar 2018

Italienische Tomatensoße made in China (oder wie man uns hinters Licht führt)

Italienische Pomodori stammen oftmals nicht mehr aus Italien, sondern aus dem Reich der Mitte - und der Kunde weiß nichts davon. Sie sind der Meinung, Sie essen Tomatensoße aus Pomodori, die in der italienischen Sonne gereift sind? Sehr wahrscheinlich leider nicht!

Wenn die Tomatensoße aus China kommt
Chinas Wirtschaft erobert immer mehr europäische Märkte, auch im Lebensmittelbereich: Das Reich der Mitte hat sich mittlerweile zum weltweit größten Obst- und Gemüseproduzenten entwickelt und ist zum größten Lieferant von Agrarprodukten für Italien geworden. So stammen angeblich original italienische Pomodori oftmals nicht mehr aus Italien, sondern eben aus China - und das ohne entsprechende Kennzeichnung. Denn sobald ein Lebensmittel in Europa verarbeitet wird, entfällt die Pflicht, die Rohware nach der Herkunft zu kennzeichnen. (Und das wissen die EU-Politiker ganz genau, ein Gesetz gegen diese Art von Missbrauch? Leider NEIN!) ...
Diesem Thema widmete das ORF-"Weltjournal" am Mittwochabend (3. Jänner 2018) zwei Reportagen mit den Titeln "China - Die neue Weltmacht" und "Tomate global - Pomodori aus China". Und der ORF zeigte damit, dass für die Händler chinesische Tomaten ein gutes Geschäft machen. Schließlich arbeiten die Chinesen mit viel niedrigeren Lohnkosten, geringeren Sozialleistungen und auch die Umweltauflagen sind weniger streng als in Europa. Und so überschwemmt China Europa (vor allem die EU) mit Lebensmittel, die qualitativ oft fragwürdig sind oder Zusatzstoffe (bis hin zu Giftstoffen, die bei uns verboten sind) enthalten, die nicht gekennzeichnet werden.

Reines Exportprodukt
Manchem Ketchup, fehlt es
an Tomaten 
Dabei wird in der chinesischen Küche selbst kaum Tomatensoße verwendet(!). Die erzeugte Tomaten-Paste ist daher Großteils für den Export nach Europa und Afrika bestimmt. Zu den Abnehmern der billigen Ware des chinesischen Marktführers Cofco Tunhe Group würden auch große Konzerne wie Heinz, Unilever oder Nestle zählen, die die chinesischen Tomaten zu Produkten wie Ketchup oder Tomaten-Sugo weiterverarbeiten und so die ursprüngliche Herkunft nicht angeben müssen. Anm.: Diese Lebensmittel-Konzerne, Giganten des Lebensmittelmarktes kennen hier wenig Skrupel, es geht einfach ums Geld, wer billiger ist bekommt den Zuschlag - Basta! 

Know How aus Italien
Zumindest die Geräte zur Verarbeitung und die Verarbeitungsmethode der Tomaten stammen aber noch aus Parma. "Italien hat uns das Know How angeboten. Man hat uns gezeigt, wie man effizient produziert. Die Italiener haben alles organisiert", erklärte der Tomaten-Produzent General Liu Yi gegenüber dem ORF.

Dank des Technologietransfers ist China heute der größte Exporteur des sogenannten "roten Goldes". Jedes Jahr verlässt etwa eine Million Tonnen des Tomatenkonzentrats den Hafen von Changji - unter anderem auch nach Italien. Dort wird das chinesische Konzentrat dann weiterverarbeitet, indem man es mit Wasser verdünnt und Salz beigibt, bevor die Konserven weiter nach Afrika, den Nahen Osten und ganz Europa exportiert werden. Ein Verfahren, bei dem der Eindruck entsteht, dass die Tomaten in der italienischen Sonne gereift sind. Dabei ist an den Produkten oft nichts italienisch, außer der Name auf der Verpackung.

Tomatensoße aus Sojabohnen
Soja als billiger Zusatzstoff
Auch die Reinheit des Produktes lässt dementsprechend zu wünschen übrig. Denn die Tomatenpaste aus China besteht lediglich zu 45 Prozent aus Tomaten (!!!). Bei den restlichen 55 Prozent handelt es sich um Zusatzstoffe wie Sojabohnen, Malzzucker, Stärke und Farbstoffe, die billiger als Tomaten sind, aber oft nicht auf der Verpackung angegeben werden. Ein weiteres Problem sind Pestizide und Schwermetalle, deren Einsatz in China zum Alltag gehört. Das Zeug ist alles andere als gesund, das ist den Abnehmern solch bedenklicher Produkte aber scheinbar egal.  Die Konzerne, die solche Produkte als Lebensmittel weiterverarbeiten sollte man von seinen Einkaufslisten streichen, auch Produzenten die hohe Konzentrationen von Glyphosat in Ihren Produkten akzeptieren, die breite Masse der Konsumenten achtet aber so und so nicht darauf.
Es wird höchste Zeit, dass der Konsument auf sein Recht besteht, saubere, giftfreie und unverfälschte Waren -mit richtiger Herkunftsbezeichnung, auch der Grundstoffe- für sein gutes Geld zu bekommen. Doch dafür muss der Konsument aber auch mit seiner Ablehnung sorgen. Nur durch das Meiden dieser Produkte und Produzenten kann man die Konzerne zu mehr Qualität und Produkt-Ehrlichkeit bewegen. Denken Sie beim nächsten Einkauf daran!
Quellen ©: 
ORF-Weltjournal, Heute, u.a.
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