Freitag, 23. Februar 2018

Ein Trauma in der Kindheit kann auch Erwachsene noch krank machen

Erwachsene, die in der Kindheit traumatische Erfahrungen gemacht haben, weisen eine verminderte Stressresistenz auf, haben Forscher herausgefunden. Immer wieder liest man von Vergewaltigungen, und Missbrauchsfällen bei denen die Täter (aus dubiosen Gründen) nur eine sehr geringe Strafe bekommen. Die Argumentation der Richter ist: "Das Opfer hat die Tat gut weggesteckt!(Siehe z.B.: Link oder Link).

Doch die Wirklichkeit sieht ganz anders aus.
Wer im Kindesalter traumatische Erfahrung macht, ist als Erwachsener anfälliger für psychische Krankheiten, aber auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gastrointestinale Störungen, Diabetes und Krebs (von wegen gut weggesteckt!).

Ein möglicher Grund dafür: Frühe Stresssituationen, Ängste, Panik können Effekte auf das Gehirn, den Stoffwechsel und das Immunsystem haben, die diese Erkrankungen begünstigen. In einer deutschlandweiten Umfrage gaben rund 28 Prozent der befragten Erwachsenen an, mindestens eine Form der Misshandlung in ihrer Kindheit erfahren zu haben. Ähnlich sehen die Zahlen auch in anderen EU-Ländern (auch in Österreich) aus, von den neu eingewanderten Kindern (Flüchtlinge) ganz zu schweigen. Denken Sie nur was hier am Weg und in den Heimen geschieht, denken Sie dabei auch an die (eigentlich in Europa illegalen) Kinderehen.

Was die Richter scheinbar nicht wissen wollen: "Zahlreiche Studien belegen, dass belastende Erfahrungen im Kindesalter das Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen im Erwachsenenalter erhöhen. "Die Frage ist, wie die frühen Belastungen strukturelle und funktionelle Veränderungen in Gehirn und Körper hervorrufen und was wir dagegen tun können", sagt Agnes Flöel, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurologie in Greifswald. Wie traumatisierende Erlebnisse in der Kindheit die Gehirnentwicklung verändern, konnte Christine Heim, medizinische Psychologin an der Charité Berlin, mit Hilfe von bildgebenden Verfahren zeigen. "Die Gehirnareale, die für die Stressregulation zuständig sind, waren bei den betroffenen Probanden verkleinert", erklärt die Studienleiterin.

Es zeigt sich eine niedrigere Stresstoleranz
Weitere Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass Erwachsene, die von belastenden Erfahrungen wie körperliche oder psychische Misshandlungen in der Kindheit berichten, chronisch erhöhte Entzündungswerte aufweisen. "Das Immunsystem ist quasi dauerhaft im Einsatz (in Alarmzustand), und damit schreitet auch die Zellalterung schneller voran", erklärt Heim. Psychische und körperliche Erkrankungen im Erwachsenenalter werden häufig durch akute oder chronische Belastungen ausgelöst – bei Erwachsenen, die in der Kindheit traumatische Erfahrungen gemacht haben, scheint die Stresstoleranz herabgesetzt. "Diese Menschen reagieren sensibler auf Stress, weil ihr Stressreaktionssystem möglicherweise sensibilisiert ist", so Heim.

Selbst Stresssituationen in der Schwangerschaft können sich schon langfristig negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken: War die Mutter während der Schwangerschaft großen Belastungen ausgesetzt, können Kinder Beeinträchtigungen in metabolischen, endokrinen, immunologischen und kognitiven Funktionen und Abweichungen in der Gehirnentwicklung zeigen. Neben der pränatalen Entwicklung gelten gerade die ersten Jahre im Leben eines Kindes als besonders sensibles Fenster für die langfristigen Folgen äußerer Einflüsse.

Und nicht selten werden Opfer dann auch noch -im laufe der Zeit- zu Tätern!

Gehirnstimulation (Neuro-Stimulation) als Heilungsansatz
Der Grundstein für Gesundheit versus Krankheit wird demnach bereits sehr früh im Leben gelegt: Traumatische Erfahrungen im Kindesalter hinterlassen neurobiologische Spuren, die die Betroffenen ihr ganzes Leben lang anfällig für Erkrankungen machen können. Dieser Effekt kann sogar an die nächste Generation (epigenetisch) weitergegeben werden. "Durch neue Diagnostik- und Therapieansätze kann dieser Kreislauf aber mitunter durchbrochen werden", ist Heim überzeugt. Eine Option stellt der Psychologin zufolge die Hirnstimulation dar. Damit könnte es möglich sein, Veränderungen in den betroffenen Hirnregionen umzukehren.
Quellen: siehe Text und Eggetsberger-Info-Team, u.a.
Bildquellen: Symbolbilder-Pixabay