Montag, 16. Juli 2018

Nachtarbeit stört den Stoffwechsel!

Die innere Uhr im Gehirn lässt sich die Nacht nicht als Tag verkaufen - manche anderen Organe aber schon: Das ist laut US-Forschern der Grund dafür, dass Nachtarbeiter mit Stoffwechselerkrankungen zu kämpfen haben.
Wer nachts wach ist und untertags schläft, tut dem Körper auf die Dauer nichts Gutes. So ein Lebensstil erhöht nämlich unter anderem das Risiko für Adipositas und Diabetes, die letztendlich zu Herzkreislauferkrankungen und Krebs führen können. Warum ist das so?

Schuld ist nicht – wie bisher angenommen – der suprachiasmatische Kern im Gehirn, sozusagen die innere Hauptuhr, sondern die „peripheren Oszillatoren“ in den Verdauungsorganen Leber, Darm und Bauchspeicheldrüse. Das sind innere Uhren, die ihrem eigenen Takt folgen. Sie passen sich einem verkehrten Schlaf-Wachrhythmus schnell an, wie nun ein Team rund um den Schlafforscher Hans Van Dongen von der Washington State University herausfand - im Gegensatz zur „Kernuhr“, die orientiert sich nämlich primär am Tageslicht. ...
Die Forscher untersuchten Blutproben von Versuchspersonen, die im Schlaflabor drei Tage lang den Rhythmus von Nachtarbeitern simulieren mussten - und verglichen sie mit denen von Personen, die einen normalen Schlafrhythmus einhielten. Besonderes Augenmerk legten sie dabei auf Metaboliten, also chemische Verbindungen, die durch den Stoffwechsel entstehen.

Resultat: Die innere Uhr von Leber, Darm und Bauchspeicheldrüse hatte sich um zwölf Stunden verschoben, während sich jene des Gehirns nur um zwei Stunden umgestellt hatte. „Manche biologischen Signale sagen, dass es Tag ist. Andere sagen, dass es Nacht ist. Und das bringt den Stoffwechsel durcheinander“, erklärt Van Dongen.

Zu klären wäre noch: Kommt die Verschiebung nur durch den veränderten Schlafrhythmus zustande - oder auch dadurch, dass man zu anderen Zeiten isst? Van Dongen hofft jedenfalls Mittel zu finden, um die inneren Uhren künstlich zu synchronisieren. Das könnte die gesundheitlichen Folgen von Nachtschichten minimieren.
Quelle ©: K. Gruber, ORF/Ö1-Wissenschaft
Bildquelle ©: pixabay