Mittwoch, 8. August 2018

ūü߆Warum wir alle rassistisch sind - auch wenn wir es nicht wollen

Wie und warum entsteht die neue Fremdenfeindlichkeit?
Beispiel: Sie fahren mit der U-Bahn ein arabisch aussehender Mann mit Vollbart und Aktentasche steigt ein und stellt sich neben Sie. Viele von uns ertappen sich in dieser Situation dabei, wie sich in ihrem tiefsten Inneren ein mulmiges Gef√ľhl breit macht. Verstohlen werfen sie dann vielleicht einen Seitenblick auf den Vollb√§rtigen. Gleich darauf ist man zumeist w√ľtend auf die aufkommenden Gedanken, die Emotionen und √Ąngste die ganz automatisch aus unserem Unterbewusstsein heraus entstehen. Rational betrachtet wei√ü jeder, dass solche Gedanken und Emotionen Unsinn sind. Ein Vorurteil hat sich in unser Gehirn eingebrannt. Die Berichterstattung √ľber die Terroranschl√§ge in mehreren Europ√§ischen L√§ndern, wie z.B. Deutschland, Frankreich und England haben ihren Teil zu diesen unbewussten Reaktionen beigetragen, sie hat die Urangst "Xenophobie" in unseren entwicklungsgeschichtlichen alten Hirnbereichen aktiviert.

Xenophobie findet sich in wirklich jeder Kultur
Fremdes Aussehen macht uns Angst!
Ein alter Gehirnmechanismus macht uns auch heute noch zu schaffen: Die Angst vor dem Fremden schlummert in jedem von uns (ob wir es wissen oder nicht). In der Menschheitsgeschichte waren viele √Ąngste ein √úberlebensvorteil – auch die Angst vor dem Fremden, von Menschen die nicht so aussahen wie die Menschen unserer Sippe. Eine andere Hautfarbe, ein anderes Aussehen, eine andere Religion, aber auch schon eine andere Sprache schaltet Teile des Gehirns ganz automatisch auf Alarm - Vorsicht!

Es geht dabei um eine Urangst, sagen die Neurologen und Angstforscher, in der Fachsprache hei√üt diese Angst "Xenophobie", die Angst vor dem Fremden, sie war fr√ľher einmal √ľberlebenswichtig.

Xenophobie: Diese alte Abwehrhaltung ist uns angeboren.
Normalerweise bemerken wir sie nicht, aber durch die Fl√ľchtlingsstr√∂me, durch Einwanderer aus dem nahen Osten und Afrika wird diese alte angeborene -also im Gehirn festverdrahtete- Angst reaktiviert. Ein gro√ües Problem der Ur√§ngste ist, dass sie -wie auch alle anderen Ur√§ngste- in einem primitiven Teil unseres Gehirns wie z.B. der Amygdalae entstehen. Und Ur√§ngste lassen sich nur schwer durch die intelligenteren Teile des Gehirns steuern. Das macht sie auch so gef√§hrlich.

Eine Mischung aus Urängsten und rationalen Überlegungen
Neben einigen Vernunftgr√ľnden, die z.B. f√ľr eine Einschr√§nkung der Zuwanderung sprechen, neben der Angst vor Gewalt und Terroranschl√§gen ist also die im Gehirn angelegte Urangst die Fremdenangst (Xenophobie) der Ausl√∂ser f√ľr unser mulmiges Gef√ľhl Fremden gegen√ľber. Dazu kommen dann noch Existenz√§ngste, Angst um Arbeitspl√§tze, Angst um die eigene Pension  etc., all das wirkt zusammen. ... 

Die Xenophobie ist zum Gro√üteil an den √Ąngsten der Bev√∂lkerung schuld und bestimmte Gruppen n√ľtzen diese (die ja wie schon gesagt in jedem steckt) aus, um die angeborene Fremdenangst bewusst f√ľr ihre Zwecke nutzen! Auch dar√ľber sollte man in einem ruhigen Augenblick nachdenken.
Dabei darf man aber auch berechtigte Sorgen nicht mit einer Urangst verwechseln. In der jetzigen Situation weiß niemand, was passieren wird, ein einfaches "das Schaffen wir" kann auch schon wieder Angst machen. Angst, dass unsere Politiker und ihre Berater selbst nicht wissen wie sie mit den aktuellen Problemen umgehen können.

Hasspostigs - wird noch mehr Zensur helfen?
Auch viele spontane, un√ľberlegte Hasspostings (von allen Seiten) sind auf die Einwirkungen der Urangst der Fremdenangst also der Xenophobie zur√ľckzuf√ľhren. Reines Zensurieren, l√∂schen und auch mitunter bestrafen wird hier nicht viel n√ľtzen. Wahrscheinlich ist, dass die betreffenden Personen ihre Aktivit√§ten nur in andere weniger ungef√§hrliche Bereiche verlagern werden. Dorthin wo sie sich unbeobachtet f√ľhlen. Auch in diesen F√§llen w√§re es besser aufkl√§rend zu wirken, zu erkl√§ren dass wir alle diese Ur√§ngste haben und dass man sich von ihnen nicht zu un√ľberlegten Handlungen verf√ľhren lassen sollte.

Die Aufgabe der Wissenschaft
Die Angst nicht gewinnen lassen!
Hier geht es also auch um Wissenschaft, um das Verstehen was in unseren Gehirnen, in den unbewussten Hirnbereichen abl√§uft. Wissenschaftliche Erkl√§rungen sind aber nat√ľrlich nur wissenschaftliche Erkl√§rungen und sollen keine moralischen Rechtfertigungen sein. Wissenschaft ist und war nie eine Moralphilosophie. Was hilft gegen die Urangst Xenophobie? Gegen diese Urangst hilft die Entwicklung von mehr Empathie, mehr Empathie auf allen Seiten auch von den Fl√ľchtlingen und Zuwanderern w√§re mehr Empathie w√ľnschenswert. Mehr Empathie ist eine positive Bewusstseinserweiterung die uns helfen kann besser zusammen zu leben und mit den alten √Ąngsten besser fertig zu werden.

Das wichtigste, ist zu wissen warum.
Alleine schon dass wir wissen dass es die Xenophobie die Fremdenangst in jeden von uns tief verborgen in unseren Gehirnen gibt, kann uns dabei helfen mit dieser Urangst besser umzugehen. Dieses Wissen kann uns helfen, dass wir von dieser Form der Angst nicht einfach √ľberrumpelt werden und dass wir nach einem m√∂glichen Auftreten dieser Angst logisch nachdenken sollten, noch bevor wir etwas sagen, posten oder bevor wir unter dem Einfluss der Xenophobie handeln. Verstehen wir diese Angst, sind wir auch weniger gut durch Massenmedien, Gruppierungen oder andere Personen zu manipulieren. Uns muss also klar werden: Emotional leben wir zum Teil noch in der Steinzeit und das ist unsere schwere, evolutionsgeschichtliche Belastung die wir vor allem verstehen m√ľssen.

Es liegt an uns
Es liegt an uns, es liegt in unserer Verantwortung, wie wir mit solchen Ur√§ngsten und Assoziationen umgehen, es liegt an unserem Verstand entsprechend zu reagieren. Entscheiden wir uns f√ľr mehr Empathie? Oder lassen wir durch andere mehr √Ėl ins Feuer unserer ererbten Urangst gie√üen. Es bleibt letztendlich unsere bewusste Entscheidung wie wir uns als Person weiterentwickeln wollen, wie wir mit verallgemeinerten Gedankeng√§ngen √ľber Menschengruppen umgehen wollen und wie weit wir uns von unseren Ur√§ngsten steuern lassen.
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Eine Studie der Universit√§t Cork wirft ein ganz neues, zus√§tzliches Licht auf die Xenophobie.
Im Fachjournal „Nature: Molecular Psychiatry“ (DOI: 10.1038/mp.2017.100) wird erl√§utert, dass auch unsere Darmflora f√ľr die St√§rke der erlebten Angst verantwortlich sein kann. Eine Beteiligung des Bauchhirns: Ein Bauchgef√ľhl -aus dem Nervenzentrum des Solarplexus- ausgel√∂st durch die molekulare Biochemie im Darm, ist an einem m√∂glichen „hyperaktiven Angst-Zustand“ beteiligt. Die neue Forschung zeigte: Je keimfreier, umso weniger macht uns die Angst zu schaffen. Das Mikrobiom reguliert die von der Amygdala abh√§ngige Angst. Unsere Ern√§hrungsgewohnheiten sind also mitbeteiligt an der aktuellen Angst.

Quellen: IPN-Forschung, Nature, u.a.
Bildquellen: pixabay
Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Fremdenfeindlichkeit
Link: http://www.nature.com/mp/journal/vaop/ncurrent/full/mp2017100a.html