Montag, 5. November 2018

Forschung: Tagsüber heilen Wunden schneller, es kommt auf die Zeit an, auch bei Operationen!

Wenn man sich verletzt, schneidet oder verbrennt, ist es besser wenn es tagsüber geschieht. Denn, - wie Forscher erkannten, heilen Wunden am Tag deutlich schneller als in der Nacht. Offenbar -so die Forscher- spielt die innere Uhr auch bei der Wundheilung eine Rolle.

Die innere Uhr steuert nicht nur den Schlaf-Wach-Rhythmus, sondern auch zahlreiche andere Körperfunktionen von der Körpertemperatur bis zum Stoffwechsel. Lange dachte man, dass der Taktgeber für alle Abläufe im Gehirn sitzt, im Nucleus suprachiasmaticus, einer Region des Hypothalamus. Mittlerweile weiß man, dass auch jede einzelne Zelle ihre eigene Uhr hat.
Das gilt auch für bestimmte Bindegewebszellen, die sogenannten Fibroblasten, wie die Forscher um Nathaniel Hoyle von Medical Resarch Center Laboratory of Molecular Biology in Cambridge berichten. Der Wechsel von Tag und Nacht spiegelt sich demnach auch in der Aktivität ihrer Gene. ...

Die richtige Zeit heilt Wunden
Fibroblasten sind bei der Wundheilung wesentlich. Wird die Haut verletzt, z.B. durch einen Schnitt, sammeln sich die Zellen in der Wunde und legen damit den Grundstein für die nachwachsende Haut. Dass sich der zelluläre Tag-Nacht-Rhythmus auf den Heilungsfortschritt auswirkt, haben die Forscher vorerst an Hautzellen von Mäusen im Labor sowie bei verletzten Tieren untersucht. In beiden Fällen zeigte sich, dass sich tagsüber mehr als doppelt so viele Fibroblasten in einer frischen Wunde sammeln.

Es zeigte sich: Die innere Uhr steuert nicht nur den Schlaf-Wach-Rhythmus, sondern auch zahlreiche andere Körperfunktionen von der Körpertemperatur bis zum Stoffwechsel. Lange dachte man, dass der Taktgeber für alle Abläufe im Gehirn sitzt, im Nucleus suprachiasmaticus, einer Region des Hypothalamus. Mittlerweile weiß man, dass auch einzelne Zellen ihre eigene Uhr haben.

Bild: Wunden inkl OP-Wunden, die während der aktiven Phase des circadianen Zyklus 
auftreten, heilen schneller, da die Zellen schneller migrieren und den Schaden reparieren 
(Hoyle et al. 2017, Science Translational Medicine).

Um zu überprüfen, ob es bei Menschen einen ähnlichen Tageszeiteffekt gibt, hat das Team anschließend Daten aus der International Burn Injury Database analysiert.

Bei den gesammelten Aufzeichnungen über Brandverletzungen wird dort auch die Uhrzeit angeführt. Die Daten zeigen: Der Zeitpunkt der Verletzung wirkt sich tatsächlich (wie bei den Tierversuchen schon festgestellt) auf die Heilung aus, und zwar deutlich. Nächtliche Verbrennungen brauchten im Durchschnitt um elf Tage länger, um vollständig zu heilen, nämlich 28 im Vergleich zu nur 17 Tagen. Die Heilung ist tagsüber also um etwa 60 Prozent schneller.

Dass die Wundheilung mit dem Tagesrhythmus verbunden ist, ist laut den Forschern durchaus sinnvoll. Immerhin sind die meisten tagsüber aktiver, die Wahrscheinlichkeit für Verletzungen daher höher.

Bei Operationen sollte also -wenn möglich- auch die richtige Tageszeit gewählt werden!
Die Ergebnisse sind natürlich  auch für die klinische Praxis von Bedeutung: Bei geplanten Operationen könnte man sich am persönlichen Rhythmus der Patienten orientieren, um den postoperativen Heilungsprozess zu beschleunigen - und möglichen Komplikationen vorzubeugen.

Quellen: science.ORF/E.Obermüller, Originalquelle: „Circadian actin dynamics drive rhythmic fibroblast mobilization during wound healing“, Science Translational Medicine.
Link: http://stm.sciencemag.org/content/9/415/eaal2774
Bildquellen: Hoyle et al. 2017, Science Translational Medicine, pixabay