Mittwoch, 1. Mai 2019

Auch sehr kleine Belohnungen wirken beim Lernen!

Lernen!
Schon geringfügige Belohnungen können die Motivation zum Lernen bei Studenten deutlich erhöhen. Der Grund: Sie suchen sich für ihr Engagement eine andere Rechtfertigung als die Belohnung selbst und entdecken so ihre Interesse am Lernstoff. Zu diesem Ergebnis kommt eine in Fachzeitschriften veröffentlichte Studie von Forschern der Wirtschaftsuniversität (WU)Wien und der Universität Linz.

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Hintergrund: Auslöser für die Forschungsarbeit waren Überlegungen des WU-Forschers Gerhard Furtmüller, wie er eine Einführungs-Lehrveranstaltung in Human-Resource-Management neu gestalten sollte. Diese wird von den Studenten im Regelfall online absolviert - dementsprechend schwierig ist es, bei ihnen ein echtes Interesse daran zu wecken. Anders als bei Präsenz-Lehrveranstaltungen können Lehrende hier kein positives "Hörsaalklima" schaffen, indem sie Studenten etwa aktiv zu Fragestellungen ermutigen.

Schon sehr geringe Belohnung sollte Interesse wecken
Klassische Methode zur Motivation der Studenten wäre die Vergabe von Belohnungen - das Problem dabei ist nur, dass dann lediglich aufgrund der Aussicht auf diese gelernt wird und das Interesse am Fach selbst auf der Strecke bleibt. Die Wissenschaftler überlegten sich daher etwas anderes: Sie vergaben keine deutlich "spürbaren" Belohnungen, sondern nur äußerste geringfügige.
Zu diesem Zweck fragten sie Studenten zunächst in einer separaten Studie, was die niedrigste Anzahl an Bonuspunkten wäre, für die sie zusätzliche Aufgaben erledigen würden. Für die eigentliche Untersuchung setzten die Forscher für die Lehrveranstaltung eine Hausübung auf das Programm, deren Absolvierung tatsächlich mit Bonuspunkten honoriert wurde. Die Zahl dieser Punkte lag aber noch unter der niedrigsten von den Studenten in der ersten Studie genannten. ...

Test: Zwei Vorlesungen in identer Form angeboten
Für die Studie boten sie die Online-Lehrveranstaltung zweimal in identer Form für je rund 650 Studenten an - einmal allerdings mit der optionalen Möglichkeit, durch die Absolvierung von in beiden Lehrveranstaltungen möglichen acht 30-minütigen Hausübungen minimale Bonuspunkte einzustreifen. Resultat: Die eigentlich kaum spürbare Belohnung führte dazu, dass viermal mehr Hausübungen als in der Vergleichsgruppe abgegeben wurden.

Doch damit nicht genug: Die Gruppe der Bonuspunkt-Studenten zeigte auch eine erhöhte autonome Motivation, indem sie im Schnitt um ein Drittel mehr zusätzlich freiwillig vorgegebene (unbelohnte) Übungsfragen beantwortete. Bei ihren Antworten lagen sie darüber hinaus auch öfter richtig als die Vergleichsgruppe. Dieser Effekt ist in der Forschung nicht neu - allerdings wurde er noch nie für eine solch große Gruppe tatsächlich abgetestet.

Die österreichischen Wissenschaftler erklären sich die Resultate damit, dass durch die eigentlich zu geringe Belohnung der Aufwand nicht gerechtfertigt werden konnte - die Studenten mussten für sich daher einen anderen Grund suchen und fanden diese etwa im Interesse am Fach, Spaß bzw. persönlicher Wichtigkeit.
Quelle: Wirtschaftsuniversität Wien und Universität Linz
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