Freitag, 6. April 2012

Amphetamin, im Gehirn selbst gemacht


Forschung: Schlafentzug bewirkt im Gehirn das Gleiche wie Aufputschmittel
Nach einer schlaflosen oder durchgemachten Nacht können viele Menschen nur schwer einschlafen, da der Körper die Menge des Gehirnbotenstoffs Dopamin hochregelt. Mit dem erhöhten Dopaminniveau aktiviert er seine Reserven in Sachen Wachheit und Aufmerksamkeit für die Aufgaben des nächsten Tags, obwohl die Glieder müde und das klare Denkvermögen reduziert sind, haben Forscher um Nora Volkow vom amerikanischen Institute of Drug Abuse in Bethesda herausgefunden. Ähnlich wirken auch Aufputschmittel wie Amphetamine, die ebenfalls den Dopaminspiegel erhöhen und zu Schlaflosigkeit führen. In beiden Fällen steigen mit der Wachheit allerdings nicht die kognitiven Fähigkeiten.

Die Forscher untersuchten bei 15 gesunden Testpersonen, wie sich Schlafentzug auf die kognitiven Fähigkeiten auswirkt. Jeder Proband musste in einem Versuchsteil eine Nacht durchmachen und durfte in einem anderen Versuchsteil durchschlafen. Am Morgen danach durchleuchteten die Wissenschaftler die Gehirne der Probanden mit der sogenannten Positronen-Emissionstomograhie (PET). Mit diesen PET-Scans können Stoffwechselvorgänge im Gehirn beobachtet werden. Nach der durchwachten Nacht war das Dopaminniveau in zwei Gehirnarealen, im Striatum und im Thalamus, deutlich erhöht: Diese Gehirnregionen sind zuständig fürs Motivieren, Belohnen und für die Aufmerksamkeit.

Mit der durchwachten Nacht nahm aber gleichzeitig auch das Gefühl der Müdigkeit zu. Die Fähigkeit zum klaren Denken sackte deutlich ab, wie die Forscher durch Sehübungen und Gedächtnistraining nachwiesen. Mit der Dopaminausschüttung versucht der Körper, die Müdigkeit und Abgeschlagenheit zu kompensieren, was jedoch nur unvollständig gelingt, schließen die Forscher. In weiteren Studien wollen sie untersuchen, wie der Körper mit seiner Dopaminausschüttung auf chronischen Schlafentzug und häufige Schlafstörungen reagiert.
Quelle: Nora Volkow (Institute of Drug Abuse, Bethesda) et al.: Journal of Neuroscience (http://www.jneurosci.org/), Ausgabe vom 20.