Donnerstag, 3. Januar 2013

Österreich - für ein Berufsheer

Anlässlich der Volksbefragung am 20. Jänner 2013 
Was spricht gegen die Beibehaltung der Wehrpflicht? Was spricht für das Berufsheer?

1. Fehlende Bedrohung 
Geo-strategisch liegt Österreich derart vorteilhaft, dass ein Massen-Heer zur militärischen Landesverteidigung längst nicht mehr nötig ist. 21 von 27 EU-Partnern haben bereits ein Berufsheer – sie können nicht irren. Im Wesentlichen halten heute nur noch Staaten an der Wehrpflicht fest, die einen äußeren Feind fürchten.

2. Neue Herausforderungen 
Für die neuen militärischen Bedrohungen Österreichs – regionale Krisenherde im Ausland, Terrorismus, Cyberattacken, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen etc. – sind Grundwehrdiener einfach nicht ausreichend ausgebildet, Experten sind nötig.

3. Ausbildungsniveau und Professionalisierung 
Berufssoldaten erreichen ein permanent höheres militärisches Ausbildungsniveau als Grundwehrdiener mit ihrer vergleichsweise kurzen Ausbildungsdauer von wenigen Wochen. Die Professionalisierung der Arbeitswelt gilt auch für den Soldatenberuf: Zeitgemäße Waffen- und Computersysteme sind komplex und müssen von Experten bedient werden. Zudem würden Soldaten in einem Berufsheer nicht alt, sondern nach drei bis 15 Jahren wieder das System verlassen – die drohende Überalterung wird abgewendet.

4. Höhere Motivation
Wer sich freiwillig meldet, ist in jedem Fall motivierter als Pflicht-Soldaten.

5. Keine Verzögerung bei der Ausbildung 
23.000 Rekruten und 14.000 Zivildiener unterbrechen derzeit mehr oder weniger freiwillig eine berufliche oder schulische Ausbildung. Das ist für sie selbst belastend und hat laut einer OECD-Studie negative Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt bzw. das Wirtschaftswachstum.

6. Schnelle Bereitschaft 
Soldaten eines Berufsheeres können binnen kürzester Zeit für militärische Einsätze im In-, aber insbesondere auch im Ausland herangezogen werden. Laut Sicherheitsstrategie müssen für Katastropheneinsätze in Österreich jederzeit 12.500 Soldaten bereit stehen. Das wird durch ein Profi-Heer problemlos erreicht.

7. Gleichstellung von Mann und Frau
Ein Berufsheer bringt in Kombination mit einem bezahlten freiwilligen Sozialjahr eine weitaus bessere Gleichstellung zwischen Mann und Frau als ein Pflichtdienst. Letzterer trifft ja derzeit nur die männlichen Staatsbürger (was ja auch gegen die Gleichheit beider Geschlechter spricht).

8. Wehrpflicht / Zwangsheer schränkt die Freiheit der jungen Männer ein
Durch die Wehrpflicht wird jungen Männern ein Jahr genommen, dieses Jahr fehlt ihnen bei der Ausbildung (sie werden dadurch ein Jahr später mit dem Studium fertig als Frauen)Durch den Pflichtdienst werden Männer eindeutig benachteiligt.

9. Bei internationalen (Krisen-)Einsätzen z.B. (UNO) 
werden auch heute nur Freiwillige entsendet, die dafür bezahlt werden. Das würde sich bei einem Berufsheer nicht ändern.

10. Miltärpiloten und andere Spezialisten des Militärs 
sind auch heute schon Berufssoldaten, aufgrund der langen Spezialausbildung (und den Kosten dafür) gibt es gar keine andere Alternative - diese Spezialisten müssen Berufssoldaten sein.

11. Ein Berufsheer kann so aufgestellt sein, dass die Kosten leicht kontrollierbar und auch einstellbar sind. Bei einem Wehrpflichtheer ist das nicht wirklich möglich. Je nach Geburtenstärke eines Jahrgangs kommen mehr oder weniger junge Männer zum Militär. Die Größe eines Berufsheers kann auf den wirklichen Bedarf abgestimmt werden.

12. Es finden sich genug Berufssoldaten
Heute gibt es schon 3000 Offizieren, 10.000 Unteroffizieren und 3000 Chargen, das sind schon heute Berufssoldaten mit Gehalt. Zusätzlich beschäftigt das Heer 8600 Zivilisten (Handwerker, Ärzte etc.). Dazu kommt ein Miliz-Stand von 26.000 Uniformierten. Die Frauenquote beträgt derzeit NUR zwei bis drei Prozent.

Im Jahr machen derzeit ca. 24.000 Wehrpflichtige Dienst bzw. werden ausgebildet.
Das heißt: Schon heute ist ein großer Teil des österreichischen Bundesheer sowie der dazu gehörenden Verwaltung inkl. Handwerker und Ärzte entweder Berufssoldaten oder Angestellte des Bundesheers. 24.000 wehrpflichtige Soldaten werden eher recht und schlecht ausgebildet und dienen zumeist im Hilfsdienst z. B. als Fahrer, Kellner, Köche etc. für Offiziere.

Siehe auch: 
General Entacher lud zu Gala: 30 Wehrpflichtige als Party-Kellner missbraucht,
LINK: http://m1.krone.at/krone/S25/object_id__338121/hxcms/rssmobile.html
Kein Wunder, dass die Befürworter der Wehrpflicht diese vermissen würden. Wo sonst bekommt man noch so billiges Personal für die eigenen Zwecke?
Quellen: K U R I E R, K R O N E N Z E I T U N G, E G G E T S B E R G E R - I N F O - B L O G

... >>> UPDATE LESEN SIE WEITER ....
Wissenschaft: Wehrpflicht bringt negative Auswirkungen auf das Bruttoinlandsproduktes und Wirtschaftswachstum.

STUDIE: Laut einer Studie hat die Wehrpflicht negative Auswirkungen auf Bruttoinlandsproduktes und Wirtschaftswachstum

Arbeitsmarkt-Expertin Gudrun Biffl hat eine Studie, die sie 2001 unter der schwarz-blauen Regierung über die Auswirkungen der Wehrpflicht auf den Arbeitsmarkt erstellt hatte, aktualisiert. Ihr Schluss: Die Wehrpflicht bringe sowohl individuell als auch volkswirtschaftlich Verluste.

Basierend auf den Erfahrungen in den Niederlanden, wo die Wehrpflicht in den 1990er-Jahren ausgesetzt wurde, hat Biffl errechnet, dass das Erwerbseinkommen jener Männer, die beim Heer waren, nach zehn Jahren (immer noch!) im Durchschnitt um fünf Prozent niedriger ist als jenes von Männern, die gleich in den Beruf eingestiegen sind. Dieser langfristige Einkommensverlust sei vergleichbar mit dem von Frauen, die in der Babypause waren, sagt Biffl.

So gesehen seien Wehrpflicht und Zivildienst eine „Naturalbesteuerung“ junger Männer, deren Verteilungseffekt zugunsten wohlhabender Älterer geht.

Ein Berufsheer würde dreierlei Positives bewirken: 
  1. Junge Männer könnten sofort in den Beruf einsteigen. 
  2. Jene, die freiwillig Zeitsoldaten werden – oft Jugendliche mit geringen Chancen – könnten beim Heer auf ein gutes Lebenserwerbseinkommen hoffen. 
  3. Das freiwillige Sozialjahr würde eine überfällige adäquate Bezahlung für Sozialarbeit bringen. Unterm Strich würde das Wirtschaftswachstum um 0,25 Prozent oder 300 Millionen Euro steigensagt Biffl (IPN-Anm.: nicht gerade wenig in schlechten der aktuellen Wirtschaftskrise!). 
Eine höhere Jugendarbeitslosigkeit durch den Entfall der Wehrpflicht erwartet Biffl nicht, weil jetzt gerade geburtenschwache Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt kommen.
Quelle: K U R I E R http://kurier.at/politik/inland/wehrpflicht-gehaltsverlust-wie-bei-frauen-mit-babypause/2.271.025