
Weil Bakterien sehr leicht Gene untereinander austauschen können, beginnt die Gefahr der Resistenzverbreitung schon dann, wenn harmlose Bakterien aus der Tierhaltung gegen die Antibiotika immun werden. Gelangen diese Keime mit der Gülle in die Umwelt, beispielsweise in den Boden, können dort Krankheitserreger diese Resistenzgene erwerben. ...
Stichproben aus deutschen Schweineställen
Forscher haben erst vor Kurzem Alarm geschlagen, weil in China ganze Areale um Schweinefarmen herum mit resistenten Keimen durchseucht sind. Auch das Sediment im Mündungsgebiet der großen Flüsse Chinas wimmelt vor Resistenzgenen. Wie groß das Problem bei deutschen Ställen ist, blieb jedoch bisher weitgehend unklar – immerhin gelten in der EU eigentlich strengere Regelungen für den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung.

Resistente Erreger und Antibiotika gefunden
⚠ Das traurige Ergebnis: In 15 von 19 Proben wiesen die Tester Antibiotika nach, das entspricht 79 Prozent. In den meisten Fällen handelte es sich um Wirkstoffe aus einer Gruppe von Breitbandantibiotika (Tetrazykline), wie Greenpeace berichtet. Zwar waren die Konzentrationen der Antibiotika gering, doch selbst in niedrigen Dosen können die Wirkstoffe die Resistenzbildung bei Bakterien auslösen, wie der Bericht darlegt(!).
⚠ Noch brisanter ist die Menge an bereits resistenten Bakterien, die in der Gülle gefunden wurden: In 13 Proben – das entspricht 68 Prozent – fanden die Tester ESBL-bildende Keime und damit Bakterien, die gegen Beta-Lactam-Antibiotika resistent sind. Diese werden auch Menschen häufig verabreicht. In sechs Proben wiesen die Labortests sogar Bakterien mit Resistenzen gegen gleich drei Antibiotikagruppen nach. In einer Probe wurde der multiresistente “Krankenhauskeim” MRSA nachgewiesen. ES WIRD AUCH FÜR MENSCHEN GEFÄHRLICH.
Bessere Tierhaltung wird nun gefordert
Angesichts dieser Ergebnisse fordert Greenpeace Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) auf, den Einsatz von Antibiotika durch bessere Haltungsbedingungen drastisch zu senken. “Nur eine bessere Tierhaltung mit weniger Antibiotika kann die negative, höchst gefährliche Entwicklung stoppen”, sagt Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann. “Obwohl die Gefahr schon lange bekannt ist, tut Minister Schmidt nichts, um das Tierleid in deutschen Ställen zu beenden und mit besser gehaltenen, gesünderen Tieren den Antibiotika-Einsatz zu senken.” (Anm.: Hier wären in Deutschland, in Österreich in der ganzen EU neue bessere Gesetze dringend notwendig!)
Das Problem ist so drängend, dass sich auch die Gesundheitsminister der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) bei ihrem aktuellen Treffen in Berlin damit beschäftigen. “Die Agrarindustrie setzt viel zu sorglos Antibiotika in den Ställen ein”, sagt Zimmermann. “Als Konsequenz könnten Kranke künftig wieder häufiger an harmloseren Infektionen wie Harnwegsentzündungen sterben.”
Quelle: Greenpeace, Text ©
Quelle Anm.: Eggetsberger-Info-Team
Bildquellen: pixabay
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* Gülle ist ein natürlich anfallender Dünger, der hauptsächlich aus Urin und Kot landwirtschaftlicher Nutztiere besteht. Je nach Beigabe von Einstreu und Wasser spricht man von Dick- oder Dünngülle, Schwemmmist oder Flüssigmist. In Österreich, Südwestdeutschland und in der Schweiz wird Gülle auch als Synonym für Jauche verwendet.