
So titelte der Stern Anfang März 2018 mit „Facebook erkennt jetzt Ihr Gesicht – das müssen Sie dazu wissen“. Schon die Überschrift ist eine platte Lüge. Denn schon seit langem läuft über alle auf Facebook aufgeladenen Fotos eine Gesichtserkennungssoftware, insbesondere bei den Facebook Messengern für IOS und Android. Schon 2015 lief „Photo Magic“, das die fotografierten Gesichter auch der Freunde abscannte. Wurde derjenige identifiziert, wurde man aufgefordert, das Bild mit der entsprechenden Person zu teilen. Eigentlich ein Fall für die Datenschutzbehörden, denn Facebook liest dazu jedes Foto, das auf dem Smartphone gespeichert ist, auch wenn es mit Facebook gar nichts zu tun hat, aus.
Auf Facebook selbst läuft das Gesichtserkennungsprogramm schon seit 2010 geräuschlos und ohne, dass sich dagegen nennenswerter Widerstand gerührt hätte. Seitdem kann man einen Menschen einfach per Handy irgendwo fotografieren, das Bild auf Facebook hochladen und die Gesichtserkennung liefert das Profil, auf dem man die Person identifizieren kann und sofort die Informationen erhält, die derjenige auf seinem Profil öffentlich stellt. In den USA ist diese Software schon seit Jahren automatisch aktiviert und man muss sie explizit ausschalten, wenn man das nicht will. Nun kommt die weiterentwickelte Software auch nach Deutschland, Österreich und der Schweiz. ...

Geradezu dreist wird der Nutzer auf dem Blog von Facebook verschaukelt, indem dort die ganze Gesichtserkennungs-Einführung als neue Möglichkeit zum Schutz der eigenen Privatsphäre verkauft wird. Laut Facebook besteht der neue Schutz der Privatsphäre nämlich darin, dass die User, die die neue Funktion einschalten, eine Nachricht von Facebook bekommen, wenn das eigene Profilbild von jemand anderem als dessen Profilbild eingestellt wird. Ebenso bekommt man eine Nachricht, wenn jemand anderes ein Bild hochläd, auf dem sie zu sehen sind. ...
Das bedeutet aber nicht, dass der so Benachrichtigte dem anderen, der das Bild hochgeladen hat, dies untersagen kann. Sondern der Fotografierte erhält die Möglichkeit, sich auf diesem Foto zu „markieren“, d.h., er kann seinen Namen öffentlich an das Foto „anheften“. Das mag der eine oder andere ja vielleicht schick finden. Die wahre Absicht Facebooks dahinter ist jedoch, dass mit den Bestätigungen des Users, dass dies tatsächlich ihn darstellt, das Gesichtserkennungsprogramm „lernt“ und immer zuverlässiger identifizieren kann. Damit werden die Facebook-User zu einem kostenlosen Trainingslabor für die Erkennungssoftware.
Die scheinbar edle Zurückhaltung von Facebook, den Nutzer entscheiden zu lassen, ob er dieses Feature überhaupt will, „Facebook lässt Nutzer selbst über Gesichtserkennung entscheiden“ (was aber so nicht wirklich stimmt), ist nicht edel. Die neue perfiden Datenschutzverordnung, die ab Mai 2018 gilt, schreibt die bewusste Aktivierung solcher Features durch den Nutzer selbst zwingend vor. Laut der neuen Gesetzesregelung müssen solche Soziale Medien den Schutz der Privatsphäre als Grundeinstellung verpflichtend einhalten. Ansonsten drohen hohe Geldstrafen.
Siehe dazu den Beitrag: "Facebook Gesichtserkennung lässt sich eben nicht abschalten!"
Dabei stellt sich aber die Frage, was ab Mai 2018 mit der bisher schon ungefragt aktiven Facebook-Gesichtserkennung passiert. Die User, die das neue Erkennungsfeature eingeschaltet haben, bekommen zwar eine Nachricht darüber, dass sie auf anderen Profilen mit einem Bild vertreten sind. Alle anderen, die das Feature nicht aktiviert haben, erfahren zwar nichts davon, aber Facebook liest ihre Fotos – nach jetzigem Stand – nach wie vor aus und verarbeitet sie. Die Nutzer wissen überhaupt nicht, was Facebook mit all den preisgegebenen Informationen, Texten und Bildern macht. Das werden wir mit Sicherheit nicht freiwillig von Facebook erfahren (und alle Rechte an den eigenen Bildern tritt man bei Facebook durch akzeptieren der AGB so und so gleich ab).
Man mag mit den Schultern zucken, dass es doch nicht weiter schlimm sei, ich hab ja nichts zu verbergen, wenn man doch sowieso auf Facebook vertreten ist, dass Facebook und andere wissen, mit wem man befreundet ist und ob man letzten Freitag eine tolle Party gefeiert hat, oder ob beim Schwimmen am Baggersee das Bikini-Oberteil ein wenig verrutscht ist. Das ist, bei allem Respekt, naiv.

Kontaktiert man die mitfotografierten Leute im Umfeld einer „Zielperson“, deutet ihnen unmissverständlich an, mit wem sie da mehr als einmal zusammen geknipst wurden und dass diese Nähe beruflich und sozial nicht besonders förderlich sein könnte, es sei denn, man ist kooperativ und gibt nähere Auskünfte und Informationen über die Zielperson … dann haben wir schnell ein neues Deutschland, ein neues Österreich eine neue EU der „Inoffiziellen Mitarbeiter“.
Der nächste Schritt, Vorteile (Belohnungen) für Denunzianten auszuloben, ist dann auch nicht mehr weit. Anm.: Soll es schon vor einiger Zeit gegeben haben. Manche/Mancher wird dann erschrocken feststellen, dass sie/er selber seine eigene Beweisakte, seinen Steckbrief und seine Kontakteliste erstellt hat und überdies auch viele Familienmitglieder, Freunde und Mitstreiter verraten.
Der US-Geheimdienst CIA und die Steuerbehörde benutzen Facebook und andere, soziale Medien schon seit langem, um die eigenen Bürger auszuspionieren. Aber auch in der EU, in Deutschland, Österreich, der Schweiz ... greifen Polizei, div. Geheimdienste, Gerichte etc. gerne auf Facebook-, Twitter- und Googledaten zurück. Neben der Auswertung von Handy-, SMS-, WhatsApp-, eMail- Internetdaten, neben der Überwachung von Briefen, Kreditkarten- und Kontobewegungen kann da schon einiges an persönlichen und auch intimen Daten zusammenkommen.
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Radikale Organisationen informieren Ihre Mitglieder da schon etwas genauer
Die anrüchige, linksradikale Seite www.bitxbit.es beschreibt genau diese Gefahr in klaren Worten:
Es tut uns leid, wenn wir euch das jetzt mal so direkt sagen müssen, aber wir haben uns schon lange genug den Mund fusselig geredet. Mit der Benutzung von Facebook gefährdet ihr euch, die Zusammenhänge in denen ihr aktiv seit und alle anderen AktivistInnen die mit euch oder euren Gruppen in Kontakt treten. Es ist schon klar, wenn ihr euch selbst exponieren wollt, könnt ihr das machen und gefährdet in direkter Folge nur euch selbst. [ … ] Aber die Leute die mit euch Kontakt haben (also euer soziales Netzwerk) haben im Fall von Facebook keine Möglichkeit sich zu wehren, sie können keinen Widerspruch dagegen einlegen, dass Infos durch euch über sie bekannt werden.
Das Ziel von Facebook ist es, soviele Daten über euch und eure sozialen Zusammenhänge zu sammeln wie es nur möglich ist. Dies passiert auf verschiedenste Art und Weise und Facebook ist federführend in der Entwicklung von Technologien zur Überwachung von UserInnen und der Zusammenführung und Auswertung von verschiedenen Datenquellen. Und es ist euch als UserInnen nicht möglich, euch gegen die Datensammelwut zu wehren. Weiters stellt Facebook auch Profile über Personen zusammen, die nicht auf Facebook sind. Facebook tut dies jedoch nicht aus Bosheit oder als Spitzeldienst, sondern weil die damit entstehenden Profile die Geschäftsgrundlage von Facebook sind.
Dennoch arbeitet Facebook mit den Behörden eng zusammen. Um das mal ein für alle Mal klarzustellen: „NutzerInnen von Facebook stimmen mit der Annahme der Datenschutzbestimmungen von Facebook automatisch der Nutzung und Verwendung aller Personendaten von mit Facebook kooperierenden Partnern zu. Hierzu gehören […] auch deutsche und ausländische Polizeibehörden sowie die CIA und staatliche Stellen der USA über den Zugang als Miteigentümer des Netzwerkes.“ (Quelle ©: Wikipedia)
Es tut uns leid, wenn wir euch das jetzt mal so direkt sagen müssen, aber wir haben uns schon lange genug den Mund fusselig geredet. Mit der Benutzung von Facebook gefährdet ihr euch, die Zusammenhänge in denen ihr aktiv seit und alle anderen AktivistInnen die mit euch oder euren Gruppen in Kontakt treten. Es ist schon klar, wenn ihr euch selbst exponieren wollt, könnt ihr das machen und gefährdet in direkter Folge nur euch selbst. [ … ] Aber die Leute die mit euch Kontakt haben (also euer soziales Netzwerk) haben im Fall von Facebook keine Möglichkeit sich zu wehren, sie können keinen Widerspruch dagegen einlegen, dass Infos durch euch über sie bekannt werden.
Das Ziel von Facebook ist es, soviele Daten über euch und eure sozialen Zusammenhänge zu sammeln wie es nur möglich ist. Dies passiert auf verschiedenste Art und Weise und Facebook ist federführend in der Entwicklung von Technologien zur Überwachung von UserInnen und der Zusammenführung und Auswertung von verschiedenen Datenquellen. Und es ist euch als UserInnen nicht möglich, euch gegen die Datensammelwut zu wehren. Weiters stellt Facebook auch Profile über Personen zusammen, die nicht auf Facebook sind. Facebook tut dies jedoch nicht aus Bosheit oder als Spitzeldienst, sondern weil die damit entstehenden Profile die Geschäftsgrundlage von Facebook sind.
Dennoch arbeitet Facebook mit den Behörden eng zusammen. Um das mal ein für alle Mal klarzustellen: „NutzerInnen von Facebook stimmen mit der Annahme der Datenschutzbestimmungen von Facebook automatisch der Nutzung und Verwendung aller Personendaten von mit Facebook kooperierenden Partnern zu. Hierzu gehören […] auch deutsche und ausländische Polizeibehörden sowie die CIA und staatliche Stellen der USA über den Zugang als Miteigentümer des Netzwerkes.“ (Quelle ©: Wikipedia)
Quellen ©: die unbestechlichen, wikipedia, spektrum-de
Bildquellen ©: pixabay, facebook, u.a.